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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
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271
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Noten. 271

des aufgehängten Toten kam, jo zog er drei oder vier aufgebundene Zipfel derSchläuche auf. Als nuu der Wein auslief, schlag er sich vor den Kopf mit lautemGeschrei, als wisse er uicht, zu welchem Esel er sich zuerst weudeu solle. DieWächter aber sahen uicht sobald die Menge Wein, die auslief, als sie sämtlich mitGefäßen in deu Weg rannten und deu ausfließenden Wein als gute Beute ein-sammelten, worüber er sich zornig stellte und alle ausschalt. Da ihm aber dieWächter zuredeten, stellte er sich, als werde er allmählich ruhiger, und sein Zornlasse nach; und zuletzt trieb er die Esel aus dem Wege und schirrte sie zurecht.Wie nuu ein Wort das andere gab, auch der und jeuer seineu Spaß mit ihmhatte und ihn zum Lachen brachte, gab er ihnen noch einen Schlauch dazu, undjetzt beschlossen sie, an Ort und Stelle sich zum Trinken zu legen, wollten auchihn dabei haben und hießen ihn bleiben, um hier bei ihnen mitzutrinken, wozuer sich denn auch verstand und dablieb. Endlich, als sie ihm beim Trinken herzlichschon thaten, gab er ihnen noch einen zweiten Schlauch dazu. Da wurden dieWächter vom tüchtigen Zechen übermäßig betrunken, und. vom Schlaf überwältigt,streckten sie sich an derselben Stelle hin. wo sie getrunken hatten. Nun nahm er,da es schon tief in die Nacht war, den Leib des Bruders herunter, und schor auchnoch allen Wächtern zum Schimpf den rechten Backeilbart ab, legte dann denLeichnam auf die Esel und trieb sie nach Haus, nachdem er so, was ihm seineMutter geboten, vollzogen hatte.

Der Konig soll es aber, als ihm gemeldet wurde, der Leichnam des Diebessei entwendet, sehr arg empfunden haben; und da er durchaus ausfindig machenwollte, wer in aller Welt solches angestellt habe, soll er, was mir einmal nichtglaubwürdig ist, folgendes gethan haben. Er ließ seine Tochter in der Bude feilsitzen, und gab ihr auf, jeden ohne Unterschied anzunehmen; ehe sie aber zu-sammenkämen, müsse ihr jeder den klügsten und den sündlichsten Streich sagen,den er in seinem Leben ausgeführt, und wenn da einer die Geschichte mit demDieb erzähle, den solle sie ergreifen, und nicht herauslassen. Dies that das Mädchen,wie es ihr vom Vater geVoten war; der Dieb aber, der verstand, wo das hinauswolle, beschloß, den König noch an Verschlagenheit zu übertreffen, und soll folgendesgethan haben. Er schnitt den ganzen Arm vom frischen Leichnam bei der Schulterab und nahm ihn unter dem Mantel mit. So ging er zur Tochter des Königs,lind da sie ihn ebenso wie die andern befragte, erzählte er ihr, als seineil sünd-lichsten Streich, daß er seinem Bruder, der im Schatz des Königs in eine Schlingefiel, den Kopf abgeschnitten, und als den klügsteil, daß er die Wächter trunkengemacht und den aufgehängten Leichnam seines Bruders heruntergenommen habe.Als sie das hörte, wollte sie ihn fassen; der Dieb aber streckte ihr im Dunkelnden Arm des Toten hin, worauf sie dann zugriff und ihn hielt, in der Meinung,seinen eigenen Arm festzuhalten; und nun ließ er denselben los und entwischteschnell zur Thüre hinaus. Als nun auch dieses dem König hinterbracht wurde,ward er ganz betroffeil über die Schlauigkeit und Kühnheit des Menschen. Zuletztsoll er aber in sämtliche Städte eine Verkündigung haben ausgehen lassen, mitGcwähruna von Straflosigkeit und mit großeil Versprechungen, wenn er sich vorsein Angesicht stellen würde. Dem habe der Dieb getraut und sich ihm gestellt;llild Rhampsenitus habe ihn höchlich bewundert, ja ihm jene Tochter zur Hansfraugegeben, als dem allergescheitesten Menschen; wiefern er nämlich die Ägypter überalle andere setzte, und ihn über die Ägypter."

(Herodo ts Geschichte, zweites Buch, 121. Kapitel.)

II.

Zu Seite 21:

Schlachtfeld bei Hastings.