Druckschrift 
2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
254
Einzelbild herunterladen
 

254

Romancero — Letzte Gedichte.

Nur wo die Engel fliegen,Du wuchst dus ew'ge Vergnügen;Hier nuten ist alleS Siind' und LeidUnd sunre Kirsche und Bitterkeit.

28.

Geleert Hab' ich nach HerzenswunschDer Liebe Kelch ganz ausgeleert;Das ist ein Trank, der uns verzehrtWie flammenheißer Kognakpunsch.

Da lob' ich mir die laue WärmeDer Freundschaft; jedes SeelenwehStillt sie, erquickend die GedärmeWie eine fromme Tasse Thee.

29.

Die Licbesgluten, die so lodernd flammten,Wo gehn sie hin, wenn unser Herz verglommen?Sie gehn dahin, woher sie einst gekommen,Zur Hölle, wo sie braten, die Verdammten.

30.

ES geht am End', eS ist kein Zweifel,Der Liebe Glut, sie geht zum Teufel.Sind wir einmal von ihr befreit,Beginnt für uns die bestre Zeit,DaS Glück der kühlen Häuslichkeit,Der Mensch geniestet dann die Welt,Die innner lacht fürs liebe Geld.Er speist vergnügt sein Leibgericht,Und in den Nächten wälzt er nichtSchlaflos sein Haupt, er ruhet warmIn seiner treuen Gattin Arm.

3l.

Welcher Frevel, Freund! AbtrünnigWirst du deiner fetten Hanne,

Und du liebst jetzt jene spinnigDürre, magre Marianne!