Letzte Gedichte. 245
Die Blumen dufteten. Im BaumDie Nachtigall sang, doch hörten wir kaumEin einziges Wort von ihrem Gesinge,
Wir hatten zu reden viel wichtige Dinge.
Wir schwuren uns Treue bis in den Tod.
Die Stunden schwanden, das AbendrotErlosch. Doch saßen wir lange Zeitlind weinten in der Dunkelheit.
15.
Dich fesselt mein Gedankcnbann,lind was ich dachte, was ich sann,
Das mußt du denken, mußt du sinnen —Du kannst nicht meinem Geist entrinnen.
Stets weht dich an sein wilder Hauch,lind wo du bist, da ist er auch;
Du bist sogar im Bett nicht sicherVor seinem Kusse und Gekicher!
Mein Leib liegt tot im Grab, jedochMein Geist, der ist lebendig noch,
Er wohnt gleich einem HauskoboldeIn deinem Herzchen, nieine Holde!
Vergönn das traute Nestchen ihm,Du wirst nicht los das Ungetüm,
Und flöhest du bis China, Japan —Du wirst nicht los den armen Schnapphahn!
Denn überall, wohin du reist,
Sitzt ja im Herzen dir mein Geist,Und denken mußt du, was ich sann —
Dich fesselt mein Gedankenbann!
16.
Laß mich mit glühenden Zangen kneipen,Laß grausam schinden mein Gesicht,Laß mich mit Ruten peitschen, stäupen —Nur warten, warten laß mich nicht!
Laß mit Torturen aller ArtenVerrenken, brechen mein Gebein,
Doch laß mich nicht vergebens warten,Denn ivarten ist die schlimmste Pein!