Letzte Gedichte. 239
Ohmnächtige Miche! Dein schlimmster FluchWird keine Fliege töten.
Ertrage die Schicknng, und versuch,
Gelinde zu flennen, zu beten.
3.
Wie langsam kriechet sie dahin,
Die Zeit, die schauderhafte Schnecke!
Ich aber, ganz bewegungslosBlieb ich hier auf demselben Flecke.
In meine dunkle Zelle dringtKein Sonnenstrahl, kein Hoffnungsschimmer;Ich weiß, nur mit der KirchhofsgruftVertausch' ich dies fatale Zimmer.
Vielleicht bin ich gestorben längst;
Es sind vielleicht nur SpukgestaltcnDie Phantasieen, die des NachtsIm Hirn den bunten Umzug halten.
Es mögen wohl Gespenster sein,Altheidnisch göttlichen Gelichters!
Sie wählen gern zum TummelplatzDen Schädel eines deutschen Dichters. —
Die schaurig süßen Orgia,
Das nächtlich tolle Geistertreiben,
Sucht des Poeten LeichenhandManchmal am Morgen aufzuschreiben.
4.
Einst sah ich viele Blumen blühen.An meinem Weg; jedoch zu faul,
Mich pflückend nieder zu bemühen,
Nitt ich vorbei auf stolzem Gaul.
Jetzt, wo ich todessiech und elend,Jetzt, wo geschaufelt schon die Gruft,Oft im Gedächtnis höhnend, quälend,Spukt der verschmähten Blumen Duft.
Besonders eine feuergelbeViole brennt mir stets im Hirn.Wie reut es mich, daß ich dieselbeNicht einst genoß, die tolle Dirn'.