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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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208
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208 Romanccro — Letzte Gedichte.

Erinnerung aus Krühwinkels Schrcckcnstngcn.

Wir, Bürgermeister and Senat,

Wir haben folgendes MandatStadtväterlichst an alle KlassenDer treuen Bürgerschaft erlassen:

„Ausländer, Fremde, sind es meist,Die unter uns gesät den GeistDer Rebellion. Dergleichen Sünder,

Gottlob! sind selten Landeskinder.

„Auch Gottesleugner sind es meist;

Wer sich von seinein Gatte reißt,

Wird endlich anch abtrünnig werdenVan seinen irdischen Behörden.

„Der Obrigkeit gehorchen, istDie erste Pflicht für Jud' und Christ.Es schließe jeder seine Bude,

Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

„Wo ihrer drei beisammen stehn,

Da soll man auseinander gehn.

Des Nachts soll niemand auf den GassenSich ohne Leuchte sehen lassen.

„Es liefre seine Waffen ausEin jeder in dem Gildenhans;

Auch Munition von jeder SorteWird deponiert am selben Orte.

„Wer auf der Straße räsonniert,

Wird unverzüglich füsiliert;

Das Räsonnicren durch GebärdenSoll gleichfalls hart bestrafet werden.

„Vertrauet eureni Magistrat,

Der fromm und liebend schützt den StaatDurch huldreich hochwohlweises Walten;

Euch zienit es, stets das Maul zu halten."

Die Audienz.

lEine alte Fabel.)

„Ich lass' nicht die Kindlein, wie Pharao,Ersäufen im Nilstromwasscr;

Ich bin auch kein Herodestlirann,

Kein Kinderabschlachtenlasser.