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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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Letzte Gedichte.

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Bertha.

Sie that so fromm, sie that so gut,Ich glaubt' einen Engel zu lieben;

Sie schrieb die schönsten Briefe mir,Und könnt' keine Blume betrüben.

In Bälde sollte Hochzeit sein,

Das hörten die lieben Verwandten,

Die Bertha war ein dummes Ding,

Denn sie folgte den Basen und Tanten.

Sie hielt nicht Treu, sie hielt nicht Schwur,Ich habe es gern ihr vergeben;

Sie hätte in der Ehe sonstVerbittert mir Lieben und Leben.

Denk' ich nun an ein treulos Weib,So denke an Bertha ich wieder,

Und habe nur noch einen Wunsch:

Sie komme recht glücklich nieder.

Im Domc.

Des Oberkirchners TöchterlcinFührt' mich in die heiligen Hallen;Ihr Haar war blond, ihr Wuchs war klein,Ihr Tuch vom Halse gefallen.

Ich sah für einiger Groschen PreisDie Gräber und Kreuze und LichteIm alten Dom; da ward mir heißIch sah in Elsbeths Gesichte.

Und schaute wieder hier und daDie heiligen Kirchenmonstranzcn;Im Unterrock, Halleluja!

Die Weiber am Fenster tanzen.

Des Oberkirchners TöchterleinBlieb mit mir zusammen stehen;

Die hat ein Augenpaar gar fein,

Drin habe ich alles gesehen.

Des Oberkirchners TöchterleinFührt' mich aus den heiligen Hallen;Ihr Hals war rot, ihr Mund war klein,Ihr Tuch vom Busen gefallen.

Heine's Werke. III. Vd.

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