Drittes Buch. Hebräische Melodien.
Ja, das ist das ZionSlied,Das Jehuda ben HalevhSterbend auf den heil'gen TriiininernAvu Jcrusaleni gesungen —
Barfuß und im BüßcrkittelSaß er dortcn auf dem BruchstückEiner umgestürzten Säule; —
Vis zur Brust herunterfiel
Wie ein greiser Wald sein Haupthaar,Abenteuerlich beschattendDas bekümmert bleiche AntlitzMit den geisterhaften Augen —
Alsv saß er und er sang,
Wie ein Seher aus der BorzeitAnzuschaun — dem Grab entstiegenSchien Jeremias, der Alte —
Das Gevögel der RuinenZähmte schier der wilde SchinerzlautDes Gesanges, und die GeierNahten hvrchend, fast mitleidig —
Doch ein frecher SarazeneKam desselben Wegs geritten,
Hoch zu Roh, im Bug sich wiegendlind die blanke Lanze schwingend —
In die Brust des armen SängcrSStieß er diesen TodeSspeer,
Und er jagte rasch von danncn,
Wie ein Schattenbild beflügelt.
Ruhig floß das Blut des Rabbi,Ruhig seinen Sang zu EndeSang er, und sein sterbeletzterSeufzer war Jerusalem!
Eine alte Sage meldet,
Jener Sarazene seiGar kein böser Mensch gewesen,
Sondern ein verkappter Engel,
Der vom Himmel ward gesendet,Gottes Liebling zu entrückenDieser Erde, und zu fördernOhne Qual ins Reich der Sel'gen.