Drittes Buch. Hebräische Melodien.
„Auf der edlen Höhe Zions,
Wo die goldne Beste ragte,
Deren Herrlichkeiten zeugtenVon der Pracht des großen König?:
„Dort, von Unkraut überwuchert,Liegen nur noch graue Trümmer,Die uns ansehn schmerzhast traurig,Daß man glauben muß, sie weinten.
„Und es heißt, sie weinten wirklichEinmal in dem Jahr, an jenemNeunten Tag des Monats Ab —Und mit thrttnend eignen Augen
„Schaute ich die dicken TropfenAns den großen Steinen sickern,Und ich hörte weheklagenDie gcbrochncn Tempelsttulen."
Solche fromme PilgersagcnWeckten in der jungen BrustDes Jehuda bcn HalcvySehnsucht nach Jerusalem.
Dichtersehnsncht! ahnend, träumendUnd fatal war sie, wie jene,
Die auf seinem Schloß zu BläheEinst empfand der edle Vidam,
Messer Geoffroy Rndellv,
Als die Ritter, die zurückAns dem Morgenlande kehrten,
Laut beim Becherklang beteuert:
Ausbund aller Huld und Züchten,Perl' und Blume aller FrauenSei die schöne Melisande,
Markgräfin von Tripolis.
Jeder weiß, für diese DameSchwärmte jetzt der Troubadour:Er besang sie, und es wurdeIhm zu eng im Schlosse Blähe.
Und es trieb ihn fort. Zu CetteSchiffte er sich ein, erkrankteAber ans dem Meer, und sterbendKam er an zu Tripolis.