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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
105
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Zweites Buch. Lamentationen.

Es fiel der Freiheit letzte Schanz',Und Ungarn blutet sich zu Tode

Doch unversehrt blieb Ritter Franz,

Sein Säbel auch er liegt in der Kommode.

Er lebt, der Franz, und wird als GreisVom Ungarkriegc WunderdingeErzählen in der Enkel Kreis

So lag ich und so führt' ich meine Klinge!"

Wenn ich den Namen Ungarn hör',

Wird mir das deutsche Wams zu enge,Es braust darunter wie ein Meer,

Mir ist, als grüßten mich Trvmstetenklänge!

Es klirrt mir wieder im GemütDie Heldensage, längst verklungen,

Das eisern wilde Kämpcnlicd ^

Das Lied vom Untergang der Nibelungen.

ES ist dasselbe HeldenloS,

Es sind dieselben alten Mären,

Die Namen sind verändert bloß,

Doch sind's dieselbenHelden lobcbären".

Es ist dasselbe Schicksal auch

Wie stolz und frei die Fahnen fliegen,

Es muß der Held, nach altem Brauch,Den tierisch rohen Mächten unterliegen.

Und diesmal hat der Ochse garMit Bären einen Bund geschlossen

Du fällst; doch tröste dich, Maghar,

Wir andre haben schlimmre Schmach genossen.

Anständ'ge Bestien sind es doch,

Die ganz honett dich überwunden;

Doch wir geraten in das JochVon Wölfen, Schweinen und gemeinen Hunden.

Das heult und bellt und grunzt ich kannErtragen kaum den Duft der Sieger,

Doch still, Poet, das greift dich an

Du bist so trank, und schweigen wäre klüger.