Nomanccro — Letzte Gedichte.
War dann sein Lächeln nnd sein Blick wie selig!Dann macht' es Wahl geschchn, daß seines HanptcsMohnblumcnkranz auch meine Stirn berührteUnd seltsam duftend allen Schmerz acrschcnchteAus meiner Secl' — Doch solche Linderung,Sie dauert kurze Zeit; genesen gänzlichKann ich nur dann, wenn seine Fackel senktDer andre Bruder, der so ernst und bleich. —
Gut ist der Schlaf, der Tod ist besser — freilichDas beste wäre, nie geboren sein.
12.
Salomo.
Verstummt sind die Pauken, Posaunen nnd Zinken.An Salomos Lager Wache haltenDie schwertgcgürtetcn Engelgestalten,
Sechstausend zur Rechten, sechstausend zur Linken.
Sie schützen den König vor träumendem Leide,Und zieht er finster die Brauen zusammen,
Da fahren sogleich die stählernen Flammen,Zwölftansend Schwerter, hervor ans der Scheide.
Doch wieder zurück in die Scheide fallenDie Schwerter der Engel. Das nächtliche GranenVerschwindet, es glätten sich wieder die BrauenDes Schläfers, nnd seine Lippen lallen:
„O Sulamith! das Reich ist mein Erbe,
Die Lande sind mir nnterthänig.
Bin über Inda und Israel König —
Doch liebst du mich nicht, so welk' ich und sterbe."
13.
Verlorene Wünsche.
Von der Gleichheit der GemütsartWechselseitig angezogen,
Waren wir einander immer,
Mehr als uns bewußt, gewogen.
Beide ehrlich nnd bescheiden,
Konnten wir unS leicht verstehen;
Worte waren überflüssig,
Brauchten uns nur anzusehen.