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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
93
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Zweites Buch. Lamentationen. 93

Solidität.

Liebe sprach zum Gott der Lieder:

Sie verlange Sicherheiten,

Ehe sie sich ganz ergebe,

Denn es wären schlechte Zeiten.

Lachend gab der Gott zur Antwort:

Ja, die Zeiten sich verändern,lind du sprichst jetzt wie ein alterWnchrer, welcher leiht ans Pfändern.

Ach, ich Hab' nur eine Leier,

Doch sie ist von gutem Golde.

Wieviel Küsse willst du borgenMir darauf, o meine Holde?"

Alte Rose.

Eine Rosenknospe warSie, für die mein Herze glühte;

Doch sie wuchs, und wunderbarSchoß sie auf in voller Blüte.

Ward die schönste Ros' im Land,lind ich wollt' die Rose brechen,

Doch sie wußte mich pikantMit den Dornen fortzustechen.

Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetztUnd verklatscht von Wind und RegenLiebster Heinrich" bin ich jetzt,Liebend kommt sie mir entgegen.

Heinrich hinten, Heinrich vorn,Klingt es jetzt mit süßen Tönen;Sticht mich ^etzt etwa ein Dorn,Ist es an dem Kinn der Schönen.

Allzuhart die Borsten sind,

Die des Kinnes Wärzchen zierenGeh ins Kloster, liebes Kind,

Oder lasse dich rasieren.

Autodafe.

Welke Veilchen, stäub'ge Locken,Ein verblichen blaues Band,

Halb zerrissene Billette,

Längst vergeßner Herzenstand