Zweites Buch. Lamentationen.
Sie lehrten mich Sterne nnd Zeichen deuten,Sattellos auf dem Winde reiten,
Auch Rnneusprüche, womit man ruftDie Toten hervor ans ihrer Gruft.
Sie haben mir auch den Pfiff gelehrt,Wo man den Vogel Specht bethört,
Und ihm die Springtvurz abgewinnt,Die anzeigt, wo Schätze verborgen sind.
Die Worte, die man beim SchätzeqrabcnHinmurmelt, lehrten sie mich, sie haltenMir alles expliziert — umsunst!
Hab' nie begriffen die Schatzgräberkunst.
Wohl hatt' ich derselben nicht nötig dermalen,Ich brauchte wenig, und könnt' es bezahlen,Besaß auch in Spanien manch luftiges Schloß,Wovon ich die Revenuen genoß.
O schöne Zeit! wo voller GeigenDer Himmel hing, wo ElfeitreigenUnd Nixentanz und KoboldscherzUmgaukelt mein märchentrunkenes Herz!
O schöne Zeit! wo sich zu grünenTrinmphespforten zu wölben schienenDie Bäume deS WaldeS^— ich ging einherBekränzt, als ob ich der Sieger wär'!
Die schöne Zeit, sie ist verschlcndert,
Und alles hat sich seitdem verändert,lind ach! mir ist der Kranz geraubt,
Den ich getragen aus meinein Haupt.
Der Kranz ist mir vom Haupt genommen,Ich weiß es nicht, wie es gekommen;
Doch seit der schöne Kranz mir fehlt,
Ist meine Seele wie entseelt.
Es glotzen mich an, unheimlich blöde,Die Larven der Welt! Der Himmel ist öde,
Eilt blauer Kirchhof, entgöttert und stumm,Ich gehe gebückt im Wald herum.
Im Walde sind die Elfen verschwunden,Jagdhörner hör' ich, Gekläffe von Hunden;Int Dickicht ist das Reh versteckt,
Das thränend seine Wunden leckt.