Nomancero — Letzte Gedichte.
Unterdessen saß der DichterAn dem Webstuhl des Gedanken?Tag und Nacht, und webte emsigSeines Liedes Niesenteppich —
Riesenteppich, wo der DichterWunderbar hineingewebtSeiner Heimat Fabelchronik,Farsistans uralte Kön'ge,
LieblingSheldcn seines Volkes,Ritterthaten, Aventüren,
Zanberwescn und Dämonen,
Keck umrankt von Märchenblnmen —
AlleS blühend und lebendig,Farbenglänzend, blühend, brennend,lind wie himmlisch angestrahltVon dem heil'gen Lichte Irans,
Von dem göttlich reinen Urlicht,Dessen letzter Feuertempcl,
Trotz dem Koran und dem Mufti,In des Dichters Herzen flammte.
Als vollendet war das Lied,Überschütte seinem GönnerDer Poet das Manuskript,Zweimalhnnderttansend Verse.
In der Badestube war es,
In der Badcstnb' zu Gasna,
Wo des Schaches schwarze VotenDen Firdnsi angetroffen —
Jeder schleppte einen Geldsack,Den er zu des Dichters FüßenKnieend legte, als den hohenEhrensold für seine Dichtung.
Der Poet riß auf die SäckeHastig, um am lang entbehrtenGoldcsanblick sich zu laben —Da gewahrt' er mit Bestürzung,
Daß der Inhalt dieser SäckeBleiches Silber, Silberthomans,Zweimalhnnderttansend etwa —Und der Dichter lachte bitter.