Gedichte aus dem Nachlaß.
Da sah ich sie! mit heimlich süßem TimmenErblickt' ich da die schwebende Gestalt,
Die sel'gen Augen und die sanften Braunen —Es zog mich fort mit seltsamer Gewalt.
lind über Markt und Straßen ging's, und weiter,Bis an ein Gäßchcu, schmal und traulich klein —Da dreht sich nur die Holde, lächelt heiter,Und schlüpft ins Haus — ich eilte hinterdrein.
Die Muhme nur war schlecht, und ihrem GeizeOpferte sie des Mädchens Blüten hin;
Willig ergab das Kind mir seine Reize,
Jedoch, bei Gott! es dacht' nicht an Gewinn.
Bei Gott! auf andre Weiber noch, als Musen,Versteh' ich mich, mich täuscht kein glatt Gesicht.So, weiß ich, klopft kein einstudierter Busen,Und solche Blicke hat die Lüge nicht.
Und sie war schön! — Schöner ist nicht gewesenDie Göttin, als sie stieg ans Wellenschnnm.
Vielleicht war sie das wunderschöne Wesen,
Das ich geahnt im frühen Knabentranm!
Ich Hab' es nicht erkannt! Es war nmnachtctMein Sinn und fremder Zauber mich umwand.Vielleicht das Glück, wonach ich stetS geschmachtet,Ich hielt's im Arm — und Hab' es nicht erkannt!
Doch schöner war sie noch in ihren Schmerzen,Als nach drei Tagen, die ich wnndersiiszVerträumt an ihrem wnndersüßen Herzen,
Der alte Wahn mich weiter eilen hieß;
Als sie, mit wild verzweifelnder GebärdeUnd aufgelöstem Haar die Hände rang,
Und endlich niederstürzte, auf die Erde,
Und laut aufweinend meine Knie umschlang!
Ach Gott! es hatte sich in meinen SporenIhr Haar verwickelt — bluten sah ich sie —Und doch riß ich mich los — und Hab' verlorenMein armes Kind, und wieder sah ich's nie!
Fort ist der alte Wahn, jedoch das BildnisDes armen Kinds umschwebt mich, Ivo ich bin.Wo irrst du jetzt, in welcher kalten Wildnis?Dem Elend und dem Gram gab ich dich hin!