1S8
Buch der Lieder.
Ich trank auf daS Wahl meiner bittersten Feinde,Und allen schlechten Poeten vergab ich,
Wie einst nur selber vergeben soll werden,Ich weinte vor Andacht, und endlichErschlossen sich mir die Pforten des Heils,
Wo die zwölf Apostel, die heil'gen Stinkfässer,Schweigend pred'gen, und doch so verständlichFür alle Volker.
Das sind Männer!
Unscheinbar von außen, in hölzernen Röcklein,Sind sie von innen schöner und leuchtenderDenn all die stolzen Leviten des TempelsUnd des Hervdes Trabanten und Höflinge,Die gvldgcschmiickten, die pnrpnrgekleideten —Hab' ich doch immer gesagt,
Nicht unter ganz gemeinen Leuten,
Nein, in der allerbesten GesellschaftLebte beständig der König des Himmels!
Hallclujah! Wie lieblich umwehn michDie Palmen von Bcth-El!
Wie duften die Myrrhen von Hebron!
Wie rauscht der Jordan und taumelt vor Freude!Auch meine unsterbliche Seele taumelt,
Und ich taumle mit ihr, und taumelndBringt mich die Treppe hinauf, ans Tagslicht,Der brave Ratskellermeister von Bremen.
Du braver Ratskellermeistcr von Bremen!Siehst du, ans den Dächern der Hänser sitzenDie Engel und sind betrunken und singen;Die glühende Sonne dort obenIst nur eine rote, betrunkene Nase,
Die Nase des Weltgeists;
Und um die rote WeltgcistnaseDreht sich die ganze betrunkene Welt.
11.
Epilog.
Wie auf dem Felde die Weizenhalmcn,So wachsen und wogen im MenschengeistDie Gedanken.
Aber die zarten Gedanken der LiebeSind wie lustig dazwischenblnhendeNot' und blaue Blumen.