Die Nordsee. 13ö
Das mich zur Heimat tragen sollte;
Aber es fehlte an gutem Fahrwind,
Und ich saß noch ruhig auf weißer Düne
Am einsamen Strand.
Und ich las das Lied vom OdysseuS,
Das alte, das ewig junge Lied,
Aus dessen meerdurchrauschten Blättern
Mir freudig entgegenstieg
Der Atem der Götter,
Und der leuchtende Menschenfrühling,
Und der blühende Himmel von Hellas.
Mein edles Herz begleitete treulichDen Sohn des Laertes, in Irrfahrt n»d Drangsal,
Setzt sich mit ihm, seelenbekümmcrt,
An gastliche Herde,
Wo Königinnen Purpur spinnen,
Und half ihm lügen und glücklich entrinnenAus Riesenhöhlen und Nymphenarmen,
Folgte ihm nach in kimmerische Nacht,
Und in Sturm und Schiffbruch,
Und duldete mit ihm unsägliches Elend.
Seufzend sprach ich: Du böser Poseidon,
Dein Zorn ist furchtbar,
Und mir selber bangtOb der eignen Heimkehr.
Kaum sprach ich die Worte,
Da schäumte das Meer,
Und aus dcn weißen Wellen stiegDas schilfbckrünzte Haupt des Meergotts,
Und höhnisch rief er:
„Fürchte dich nicht, Poetlein!
Ich will nicht im geringsten gefährdenDein arnies Schiffchen,
Und nicht dein liebes Leben beängst'genMit allzu bedenklichem Schaukeln.
Denn du, Poctlein, hast nie mich erzürnt,
Du hast mir kein einziges Türmchen verletztAn Priamos' heiliger Feste,
Kein einziges Härchen hast du versengtAm Aug' meines Sohns PolyphemoS,
Und dich hat niemals ratend beschütztDie Göttin der Klugheit, Pallas Athene."