Die Heimkehr.
2.
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt,Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkeltIm Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzetDort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,Sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme,Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.
Den Schiffer im kleinen SchiffeErgreift eS mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh'.
Ich glaube, die Wellen verschlingenAm Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem SingenDie Lorelei gethan.
3.
Mein Herz, mein Herz ist traurig,Doch lustig leuchtet der Mai;Ich stehe, gelehnt an der Linde,
Hoch auf der alten Bastei.
Da drunten fließt der blaueStadtgraben in stiller Ruh';Ein Knabe fährt im Kahne,Und angelt und pfeift dazu.
Jenseits erheben sich freundlich,In winziger, bunter Gestalt,Lusthäuscr und Gärten und Menschen,Und Ochsen und Wiesen und Wald.