Lyrisches Intermezzo. 51
Er war so hölzern, so täppisch, so links,
Die Wümlcin nnd Mägdlein, die kicherten rings,
Wenn er stolpernd vorbeigegangen.
Oft saß er im finstersten Winkel zu Haus;
Er hatt' sich vor Menschen verkrochen.
Da streckte er sehnend die Arme ans,
Doch hat er kein Wörtlein gesprochen.
Kam aber die Mitternachtstunde heran,
Ein seltsames Singen und Klingen begann —
An die Thüre da hört' er es pochen.
Da kommt seine Liebste geschlichen hereinIm rauschenden Wellenschaumkleidc,
Sie blüht und glüht wie ein Röselein,
Ihr Schleier ist eitel Geschmeide.
Goldlocken umspielen die schlanke Gestalt,
Die Äuglein grüßen mit süßer Gewalt —
In die Arme sinken sich beide.
Der Ritter umschlingt sie mit Liebesmacht,Der Hölzerne steht jetzt in Feuer,
Der Blasse errötet, der Träumer erwacht,
Der Blöde wird freier und freier.
Sie aber, sie hat ihn gar schalkhaft geneckt,
Sie hat ihm ganz leise den Kopf bedecktMit dem weißen, demantencn Schleier.
In einen krhstallenen WasserpalastIst plötzlich gezaubert der Ritter.
Er staunt, und die Augen erblinden ihm fastVor alle dem Glanz und Geflittcr.
Doch hält ihn die Nixe umarmet gar traut,
Der Ritter ist Bränt'gam, die Nixe ist Braut,
Ihre Jungfraun spielen die Zither.
Sie spielen nnd singen, und singen so schön,lind heben zum Tanze die Füße;
Dem Ritter, dem wollen die Sinne vergeht:,
Uitd fester umschließt er die Süße —
Da löschet: auf einmal die Lichter aus,
Der Ritter sitzt wieder ganz einsam zu Haus,
In den: düstern Poetenstübchcn.
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