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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
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Vorrede zur zweiten Auflage.

Naht diese winterliche Gestalt auch schon dem Verfasser dieserBlätter? Gewahrst du schau, teurer Leser, eine ähnliche Umwandlungan dem Schriftsteller, der immer jugendlich, fast allzu jugendlich, inder Litteratur sich bewegte? Es ist ein betrübender Anblick, wennein Schriftsteller dar unseren Augen, angesichts des ganzen Publikums,allmählich alt wird. Wir haben'S gesehen, nicht bei Wvlfgang Goethe,dem ewigen Jüngling, aber bei August Wilhelm van Schlegel, dembejahrten Gecken; wir haben's gesehen, nicht bei Adalbert Chamisso,der mit jedem Jahre sich blütenreicher verjüngt, aber wir sahen esbei Herrn Ludwig Tieck, dem ehemaligen romantischen Strohmian,der seht ein alter räudiger Muntschc geworden . . . . O, ihr Götter,ich bitte euch nicht, mir die Jugend zu lassen, aber laßt mir dieTugenden der Jugend, den uneigennützigen Groll, die uneigennützigeThräne! Laßt mich nicht ein alter Polterer werden, der aus Neiddie jüngeren Geister ankläfft, oder ein matter Jammermcnsch, derüber die gute alte Zeit beständig flennt . . . Laßt mich ein Greiswerden, der die Jugend liebt und trotz der Altcrschwächc noch immerteilnimmt an ihren Spielen und Gefahren! Mag immerhin meineStimme zittern und beben, wenn nur der Sinn meiner Worte un-erschrocken und frisch bleibt!

Sie lächelte gestern so sonderbar, halb mitleidig, halb boshaft,die schöne Freundin, als sie mit ihren rosigen Fingern meine Lockenglättete . . . Nicht wahr, du hast auf meinem Haupte einige weißeHaare bemerkt?

Und scheint die Sonne noch so schön,

Am Ende mich sie nntcrgehn!"

Geschrieben zn Parts, im Frühjahr 1SS7.

Heinrich Heine.