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sängen seiner Krankheit begonnen und mit dieser immer weitereFortschritte gemacht. Einem Freunde, der ihm erzählte, daß manviel von seiner Bekehrung rede, ja sogar behaupte, daß er sich wiederdem Judentum zugewendet habe, antwortete Heine damals: „Ichmache kein Hehl aus meinem Judentum, zu dem ich nicht zurück-gekehrt bin, da ich eS niemals verlassen hatte. Ich habe mich nichttaufen lassen aus Haß gegen das Judentum. Mit meinem Atheis-mus ist es mir niemals ernst gewesen. Meine früheren Freunde,die Hegelianer, haben sich als Lumpen erwiesen. Das Elend derMenschen ist zu groß. Man muß glauben."
Ein getreues Bild dieser Wandlung, treuer als alle Briefe, Be-richte und Mitteilungen, bietet der „Romancero", der die in denJahren 1846—51 entstandenen Gedichte Heines enthielt. Er erregteungeheures Aufsehen, da er alles zu bestätigen schien, was in Deutsch,land über die Rückkehr des Dichters zum Glauben verbreitet und injenen Jahren der Reaktion gern geglaubt worden war. In demNachwort zum Romancero legte Heine merkwürdige Geständnisse ab:„Wenn man ans dem Sterbebette liegt, wird man sehr empfindsamund weichselig, und möchte Frieden machen mit Gott und der Welt.Ich gestehe es, ich habe manchen gekratzt, manchen gebissen, und warkein Lamm. Aber glaubt mir, jene gepriesenen Lämmer der Sanft-mut würden sich minder frömmig gebärden, besäßen sie die Zähneund die Tatzen des Tigers. Ich kann mich rühmen, daß ich michsolcher angeborenen Waffen nur selten bedient habe. Seit ich selbstder Barmherzigkeit Gottes bedürftig, habe ich allen meinen FeindenAmnestie erteilt; manche schöne Gedichte, die gegen sehr hohe undsehr niedrige Personen gerichtet waren, wurden deshalb in vor-liegender Sammlung nicht aufgenommen. Gedichte, die nur halbwegsAnzüglichkeiten gegen den lieben Gott selbst enthielten, habe ich mitängstlichem Eifer den Flammen überliefert. Es ist besser, daß dieVerse brennen, als der Versifex Ja, ich bin zurück-gekehrt zu Gott, wie der verlorene Sohn, nachdem ich lange Zeit beiden Hegelianern die Schweine gehütet. War es die Misere, die michzurücktrieb? Vielleicht ein minder miserabler Grund. Das himm-lische Heimweh überfiel mich und trieb mich fort durch Wälder undSchluchten, über die schwindligsten Bergpfade der Dialektik.' Aufmeinem Wege fand ich den Gott der Pantheisten, aber ich konnte ihnnicht gebrauchen. Dies arme träumerische Wesen ist mit der Weltverwebt und verwachsen, gleichsam in ihr eingekerkert, und gähnt dichan, willenlos und ohnmächtig .... Wenn man nun einen Gottbegehrt, der zu helfen vermag — und das ist doch die Hauptsache— so muß man auch seine Persönlichkeit, seine Anßerweltlichkeit undseine heiligen Attribute, die Allgüte, die Allweisheit, die Allgcrech-tigkeit n. s. w. annehmen. Die Unsterblichkeit der Seele, unsere Fort-