Druckschrift 
1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142 Biographie.

Die ganze Angelegenheit hatte aber noch ein seltsames Nach-spiel : Madame Stranß, die Freundin Bornes, fühlte sich durch HeinesPublikation mit Recht empfindlich gekränkt und beleidigt. Sie sandteihren Gatten, Herrn Salomon Strauß, zu Heine. Dieser trat demDichter auf der Straße mit schmähenden Worten in den Weg, undHeine gab dem aufgeregten Manne die Adresse seiner Wohnung, mitdem Bescheid, daßwenn man mit ihm zu sprechen habe, man wohlnoch einige Wochen bis zu seiner Rückkehr warten könne". Daraufreiste Heine in das Pyrenäenbad Cantercts. Während seiner Ab-wesenheit wurde in den deutschen Zeitungen von feindseligen Korre-spondenten das Märchen verbreitet, er sei bei jener Begegnung vonHerrn Strauß thktlich insultiert worden und habe darauf das Hasen-panier ergriffen. Dies veranlasste Heine sofort nach Paris zurück-zukehren und Herrn Strauß durch seine Freunde Theophil Ganticrund Alphons Royer eine Forderung zuzusenden. Nach langen Vor-verhandlungen fand endlich am Morgen deS 7. September 1841 dasDuell im Thale von St. Germain statt. Herr Strauß hatte denersten Schuß; seine Kugel streifte jedoch nur das Portemonnaie Heines,so daß einer der Sekundanten ausrief:Das nenut man gut an-gelegtes Geld!" Heine schoß in die Luft.

Mit einer Ehrenerklärung, die Heine der beleidigten Frau auSfreieu Stücken gab, endete diese Affaire, die jedoch nach einer andernRichtung hin entscheidenden Einfluß auf sein Leben übte. Heinewollte nicht, daß Mathilde im Falle seines Ablebens verlassen sei,und bemühte sich nun, für alle Fälle ihre Zukunft sicher zu stellen.Er betrieb mit großer Eile seine Heirat, welche am 30. August 1841in der Kirche zu St. Sulpice von dem Abbe Barrande durch kirchlicheTrauung vollzogen wurde.

Als Heine aus der Kirche kam, sagte er, sich den Schweiß vonder Stirn wischend:Ich verheirate mich bei 40 Grad Hundstags-hitze; möge mich der allmächtige Gott stets bei gleich erhöhter Tem-peratur erhalten." Nach der Trauung fand ein Diner statt, zuwelchem Heine jedoch nur diejenigen seiner Freunde eingeladen hatte,die in ähnlichen Ehebündnissen lebten, um sie durch sein Beispiel zubewegen, auch diesenallerletzten Schritt" noch zu wagen.

XIV.

Man muß sich immer wieder den Gegensatz zwischen Heine undBörne ins Gedächtnis zurückrufen, zwischen'dem Apolitischen Radikalis-mus des einen und den Welterlösungsideen des andern, um es zubegreifen, daß Heine dein freien Aufschwung der Geister im deutschenBaterlande etwa um das Jahr 1840, zur Zeit der ThronbesteigungFriedrich Wilhelms IV. fremd, ja fast feindselig gegenüberge-standen. Nicht allein seine persönlichen Verhältnisse, die feindliche