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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
68
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68 Biographie.

zu einer elegischen Trauer abgeklärt hätte, und die Freude am Lebenbeginnt wieder hervorzutreten.

Einen neuen und überraschenden Ton, einen Ton, wie er imdeutschen Dichterwalde noch nicht gehört worden, schlug Heine in denLiedern der „Nordsee" an, diesen „kolossalen Epigrammen", mitwelchen der Dichter der deutschen Poesie einen neuen und mächtiganziehenden Stoff: das Meer eröffnete und durch die er sich einesichere Anwartschaft auf einen ersten Platz nuter den Odendichternder gesamten Poesie erworben hat. „Die Nordseebilder mit ihremhimmelstiirmcnden Titanentrotz und seiner humoristischen Korrektur,in ihrem pindarisch freien, unskandierbaren, aber nicht unmelodischenHhmncnschwunge, sind von hinreißender Kraft des Genius undgigantischem Schwung der poetischen Gedanken."

Der hauptsächlichste Vorwurf, den man gegen Heine nach demErscheinen seiner Gedichte erhoben hat, gipfelte in der Behauptungvon der Unwahrheit seiner Empfindungen und von dem Spott, dener mit den höchsten Idealen der Mcnschenbrust getrieben haben soll.Dieser Vorwurf beruht aber auf vollständiger Unkenntnis der PoesieHeines. Sein Spott traf nie das Ideal selbst, sondern nur das,was jene hohle romantische Zeit als Ideal verehrte oder zummindesten der gläubigen Menge anpries. Gerade der Schmerz dar-über, daß das Ideal in dieser Welt und vor allem in dieser Zeitkeine Heimstätte auf Erden habe, erzeugte jenen Spott, der wiederumvor allem diejenigen am meisten verletzte, die diesem Ideal so weitwie möglich entfremdet waren.

Dadurch entstanden auch jene Kontraste und Dissonanzen,welche in seinen Gedichten so oft die Einheit der Stimmung zerreißenund empfindsame Gemüter wie mit kalter Lauge übergießen. Werin diesen Dissonanzen nur ein eitles künstlerisches Spiel, eine roman-tische Dichterlaune, oder gar eine beabsichtigte Wirkung, „die Kunst-fertigkeit im Variieren eines und desselben Themas" vermutet, derhat zweierlei übersehen, einmal, daß der Dichter sein eigenes Selbstund seine Zeit, die er beide sehr genau kannte, in seinen Gedichtenverspotten wollte, und daß diese selbstvcrhöhnung einem höherenTrieb nach Wahrheit entsprungen ist, sodann aber, daß auch jenerHauch von Stimmung, der zuerst über jenen Gedichten liegt, in denmeisten Fällen durchaus nicht die wirkliche Stimmung des Dichters,sondern ein romantisch übertriebenes Gefühl ist, das erironisch auflösen will, wobei er von einer geheimen Grund-stimmung ausgeht, die gleichermaßen jenem krankhaftenStimmnngshauch wie der grellen Dissonanz entgegen-gesetzt ist, und dem reinen Quell des Guten und Schönen, deinlauteren Trieb nach Wahrheit entspringt.

Und auch HcineS Humor cutspringt aus derselben tragischen