Druckschrift 
1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

23 Biographie.

Zeit nach drei Wochen verließ er das Comptvir.Mein seligerVater," erzählt Heine später,ließ mich im Jahre 1816 auf längereZeit in Frankfurt zurück. Ich sollte ans besonderen Rücksichten imBureau deS Bankiers meines Vaters als Volontär arbeiten, bliebaber nur vierzehn Tage dort und benutzte seitdem meine junge un-eingeschränkte Freiheit, um ganz andere Dinge zu studieren. ZweiMonate verlebte ich damals in Frankfurt, und in dem Bureau desBankiers brachte ich, wie gesagt, nur vierzehn Tage zu. Darausmag wohl der absichtliche Irrtum entstanden sein, den ich einmal ineinen, deutschen Blatte las: ich sei nämlich zwei Jahre lang inFrankfurt bei einem Bankier im Dienste gestanden. Gott weiß, ichwäre gern Bankier geworden, es war zuweilen mein Licblingswnnsch,ich konnte es aber nie dazu bringen. Ich habe es früh eingesehen,daß den Bankiers einmal die Weltherrschaft anheimfalle."

Der Kaufmann, bei dem er einapxrsnti rurllionuirs« werdensollte, meinte,er hätte kein Talent zum Geschäft" und dasselbebestätigte ein großerSpezereihändler", in dessenGewölbe" Heinevier Wochen als Volontär zubrachte.

In einer Freimaurerloge zu Frankfurt, in die Samson Heineseinen Sohn mitgenommen hatte, begegnete er auch damals zun,erstenmal einem Manne, dessen Name mit dem scinigen für alle Zeitverknüpft bleiben sollte: nämlich Ludwig Börne.

Der berühmte Kritiker, vor dem alle Schauspieler und Schau-spielerinnen Frankfurts zitterten, erregte in hohem Grade das Interessedes Knaben, der schon damals für littcrarische Dinge eine besondereSchwärmerei hatte.

Die Nachwirkungen des Aufenthalts in Frankfurt a. M., daser später einmal im Unmut einKrämernest" nannte, finden sich ineinem der bedeutendsten novellistischen Fragmente Heines imRabbivon Bacherach". Die Schilderungen der Messe, des bunten Treibensvor dem Römer, von Handel und Wandel, der Schicksale der Frank-furter Inden im Mittelalter, der engen Judcngasse und des jüdischenLebens überhaupt sind unstreitig Erinnerungen aus jenem AufenthaltHeines in Frankfurt a. M., der deshalb doch kein nutzloser gewesen ist.

Harry Heine kehrte nun zunächst nach Düsseldorf ins elterlicheHans zurück, wo er sich mehrere Monate aufhielt. Über diese Lcbens-Periode des DichtcrS herrscht bis jetzt das tiefste Dunkel, das wederseine, noch die Mitteilungen der Jugendfreunde und die Erinnerungender Verwandten zu lichten vermochten, und das wohl kaum mehraufgehellt werden wird. Erst im Sommer des folgenden Jahresging Heine nach Hamburg. Noch vor seiner Abreise dichtete erdas schöne Lied, welches er bereits in seine erste Gedichtsammlungaufgenommen, an einen seiner Jugendfreunde, Franz von Zuccal-maglio, mit den Anfangsversen: