Auch die „Presse" vonZang, das „Fremdenblatt" von Heine, die „Zeitsehrist der k. k. Ge-sellschaft der Ärzte in Wien" und die „Mälitärzeitung" wurden bei Gerold gedruckt.
Es ist selbstverständlich, daß ein iMann von so hoher Bedeutung, wie he Gerold zu-kam, auch eine hervorragende Rolle im öffentlichen Leben des vormärzlichen Wien spielte.Widmete sich Carl Gerold auch hierbei in erster Linie den Interessen seines Standes, sotrugen ihn diese doch auch sogar in die politische Ärena. Schon im Jahre 1811 wähltedas Gremium der bürgerlichen Buchhändler ihn zum Unter- und i8iz zum Obervorsteher,und diese iWürde bekleidete er wieder von 1840 bis 1844; auch später noch gehörte erder Leitung des Gremiums an und wirkte in hohem 8Naße für die Erleichterung undendliche Aushebung der Zensur. Gerold besuchte serner fast regelmäßig die LeipzigerBuchhändlermesse, war ein (Mitbegründer des Börsenvereines (182g) und nahm in ver-schiedenen Ausschüssen desselben an dessen Arbeiten tätigen Anteil. Auch eröffnete ernamens des Wiener Gremiums die erste Versammlung der Buchhändler des österreichi-schen Kaiserstaates, die vom 10. bis 12. September 184g im Univerfttätskonflstorial-saale in Wien tagte.
Die Begebenheiten des Jahres 1848 rückten Carl Gerold wiederholt in den Vorder-grund. Er wurde in das Frankfurter Vorparlament und in den verstärkten Ausschuß derniederösterreichischen Stände gewählt.
Zwei Jahre vor seinem Tode ließ er an der Stelle des aus dem Anfang desachtzehnten Jahrhunderts stammenden Hauses am Dominikanerplatz durch die berühmtenArchitekten van der Null und v. Siccardsburg, die späteren Erbauer der (Wiener Oper,einen Neubau errichten, in der auch die Buchdruckerei, in moderner (Weise ausgestattetund eingerichtet, untergebracht wurde (siehe S. Z7; vgl. auch S. 4? und g4).
Am 2g. September i8g4, im 7Z. Lebensjahr, schloß Carl Gerold seine Augen fürimmer. Bezeichnend für sein Wirken und seine Persönlichkeit war der Nekrolog, den seinalter Freund Frommann ihm in seiner „Geschichte des Börsenvereines" widmete. Er lautet:
„Allgemein war die Teilnahme bei Erwähnung des Verlustes, den der Verein durchden Tod von Carl Gerold in (Wien erlitten hatte. (War er doch viele Jahre eine höchstwillkommene Erscheinung auf der Messe gewesen, schon durch seine ganze Persönlichkeit,die den echten und besten altwienerischen Typus in Herzlichkeit, Wohlwollen und Heiterkeitdarstellte, ans der soliden Grundlage großer Rechtschaffenheit. Diese Eigenschaften habenwohl beigetragen zum großen Aufschwung seines Geschäftes, aber ihnen und dem bloßenGlücke allein verdankte er denselben nicht, sondern auch seiner umsichtigen Klugheit undMenschenkenntnis. Gern hätte man ihn früher zum Vorstande des Börsenvereines gewählt,wenn nicht die damaligen politischen Zustände in Osterreich seine tätige Beteiligung aneinem Ausländischen Vereine" verboten hätten.""
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