Wiener Universität (1729). Diese Schristen sind durchwegs mit schönen Klipserstichen vonI.A.Pfefsel, Elias Schasshauser, David Nessenthaler, F. A.Dietel und I.A. Schmutzergeschmückt. Kampmüllers Schrift: Lilllivtllsens vetorum llkpörllitue enthält eine Ansichtder gerade neuerbauten Hosbibliothek.
Da die Druckerei aus verschiedenen Gründen sür die (Minderjährigen nicht weiter-geführt werden konnte, wurde sie an Leopold Kaliwoda verkaust, der sie nach Bezahlungeines Preises von Zvoo si. schon Ende Juni i?z4 übernahm.
Johann Leopold Kaliwoda, geboren 170g in Wien, wurde daraufhin am17. September i?Z4 als Universitätsbuchdrncker in die Matrikel der Wiener Universitäteingetragen. Er wurde später neben Trattner und Kurzböck der bedeutendste Buchdruckerdes theresianischen Wien. Sein Name hat außerdem in der Geschichte der Schriftgießereiin Österreich einen guten Klang, denn er war der erste, der (1750) das Recht erhaltenhatte, auch sür fremde Druckereien Lettern zu gießen. Die bis dahin erteilten Privilegienan Zimmermann (1555), Cosmerovins (1659), Mininski (167g) und Ghelen (1678)erlaubten diesen, nur ihre eigenen Druckereien mit Schristen auszustatten. Dieses Rechtwurde ihm später durch die Intriguen Traktners — unter denen er überhaupt viel zuleiden hatte — wieder genommen, weshalb er seine Schriftgießerei 1772 an AntonMagatsch, über den sämtliche Buchdrucker Wiens einig waren, „daß in den gesamtenErblanden keiner in der Kunst seinesgleichen sei", übergab. Kaliwoda scheint sich auchnicht annähernd der besonderen Gnade (Maria Theresias erfreut zu haben wie Trattnerund Kurzböck. Ein Grund hiesür läßt sich nicht einmal erraten. Alles aber, was wir vonKaliwodas Persönlichkeit wissen, klingt durchwegs sympathisch, macht den Eindruck, daßer ein sehr einfacher, gut bürgerlicher, echt demokratisch gesinnter (Mann war, der nachkeinerlei Vorzug sirebte und nicht um Fürsiengunst buhlte.
Die Ansänge von Kaliwodas selbständigem Wirken fallen noch in die Zeit Karls VI.,der ihn zum Reichs-Hosbuchdrucker ernannt hatte. Kaliwoda war in dieser Würdeder Nachfolger Johann Baptist Schönwetters geworden, der — als Buchhändler —170Z das „Wiener Diarium" (die heutige „Wiener Zeitung") und den „Staats- undStandes-Calender" (aus dem das bis 1918 erschienene Hos- und Staatshandbuch hervor-gegangen ist) begründete und dann 171g die berühmte — 1617 gegründete, in ihrerweiteren Geschichte bis zur Gegenwart versolgbare — Cosmerovische Buchdruckerei er-worben hatte. Schönwetters Druckerei, die sich am Lugeck im Regcnsburgerhos befand,gelangte dann im Versteigerungsweg 1741 an Eva (Maria Schilgin und hieraus an derenSchwiegersohn Johann Jakob Jahn, der sie 1748 an Johann Thomas Trattner verkaufte.
Als Reichs-Hosbuchdrucker druckte Kaliwoda von i?z4 an den obenerwähntenSchematismus, und wir kennen ans diesem bis 1760 den jährlichen Stand seines
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