Druckschrift 
Geschichte des Geschlechts Ebell nebst Stammtafeln u. Wappen
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

verstanden, sich über die Grenzen seiner Stadt hinaus eine gefestigtePosition mit weiterem Gesichtskreis zu verschaffen.

Es sind doch nur enge Baimen, die unsere Väter, wie alledamaligen Zunftmeister, wandelten. Der weite Blick hat allen ge-fehlt. Ihre Mittelstandspolitik blieb Kirchturmspolitik. Kein gesunder,durchgreifender Fortschritt macht sich bemerkbar.Im engen Kreisverengert sich der Sinn, das gilt auch von dem Zunftwesen jenerTage, dem damit der gute soziale Kerngedanke nicht abgesprochenwerden soll. Man soll wohl treu zu seiner Scholle halten, umimmer wieder aus der alten, wohligen Heimatluft Stärkung und Kraftzu sammeln, aber man darf nicht sklavisch an der Scholle kleben.Solcher Fehler rächt sich heute noch ebensogut wie damals. Nurwer mitten im Leben steht, sich den oft recht rauhen Wind derFremde gehörig hat um die Nase wehen lassen, wird die Krafthaben, sich gesunden, fortschrittlichen Ideen anzuschließen. Das ge-dankenlose Nachfolgen getreu dem Leben und Treiben der Väterkann auch verderblich für das Individuum werden. Neue Sitte ver-langt der Fortschritt der Kultur. Nicht sklavisch festhalten am Alten,sondern mit offenem Ohr lauschen dem Pulsschlag einer neuen,werdenden Zeit.

Das sei unsere Devise!

Daß jene Ebells der sechsten Generation sich entschlossen haben,sei es der Not oder dem eigenen Triebe gehorchend, den Bodenihrer Vaterstadt zu verlassen, ist für uns von der größten Bedeutunggeworden. In jenem Joachim Heinrich (VI, 1) und Joachim ChristianDieterich (VI, 15) müssen wir in dieser Beziehung mit Recht diebedeutensten Repräsentanten unserer Familie sehen. Auch unsereGeneration kann heute noch von ihnen lernen.