72 Heiner Neue Gedichts.
Am Flusse sitzt die SchäferinUnd windet die zärtlichsten Kränze.
Das knospet und quillt, mit duftender Lust —Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Die Schäferin seufzt aus tiefer Brust:
Wem geb' ich meine Kränze?
Ein Reuter reutet den Fluß entlang,
Er grüßt so blühenden Mutes!
Die Schäferin schaut ihm nach so bang,
Fern flattert die Feder des Hutes.
Sie weint und wirft in den gleitenden FlußDie schönen Blumenkränze.
Die Nachtigall singt von Lieb' und Kuß —Es liebt sich so lieblich im Lenze!
14.
Ali Vei.
Ali Bei, der Held des Glaubens,Liegt beglückt in Mädchenarmen.Vorgeschmack des ParadiesesGönnt ihm Allah schon auf Erden.
Odalisken, schön wie Houris,Und geschmeidig wie Gasellen —Kräuselt ihm den Bart die eine,Glättet seine Stirn die andre.
Und die dritte schlägt die Laute,Singt und tanzt, und küßt ihn lachendAuf das Herz, worin die FlammenAller Seligkeiten lodern.
Aber draußen plötzlich schmetlernDie Trompeten, Schwerter rasseln,Waffenruf und Flintenschüsse —
Herr, die Franken sind im Anmarsch!