Heine: Neue Gedichte.
3.
Der Ritter Tannhäuser, er wandelt so rasch,Die Füße, die wurden ihm wunde.
Er kam zurück in den VenusbergWohl um die Mitternachtstunde.
Frau Venus erwachte aus dem Schlaf,Ist schnell aus dem Bette gesprungen;
Sie hat mit ihrem weißen ArmDen geliebten Mann umschlungen.
Aus ihrer Nase rann das Blut,
Den Augen die Thränen entflossen;
Sie hat mit Thränen und Blut das GesichtDes geliebten Mannes begossen.
Der Ritter legte sich ins Bett,
Er hat kein Wort gesprochen.
Frau Venus in die Küche ging.
Um. ihm eine Suppe zu kochen.
Sie gab ihm Suppe, sie gab ihm Brot,Sie wusch seine wunden Füße,
Sie kämmte ihm das struppige Haar,Und lachte dabei so süße.
„Tannhäuser, edler Ritter mein,
Bist lange ausgeblieben,
Sag an, in welchen Landen du dichSo lange herumgetrieben?"
Frau Venus, meine schöne Frau,
Ich Hab' in Welschland verweilet;
Ich hatte Geschäfts in Rom und binSchnell wieder hierher geeilet.
Auf sieben Hügeln ist Rom gebaut.
Die Tiber thut Korten fließen;
Auch Hab' ich in Rom den Papst gesehn,Der Papst er läßt dich grüßen.
Auf meinem Rückweg sah ich Florenz,Bin auch durch Mailand gekommen.