Anmerkung zu „Rhampsenit". 1Z1
der ohne Kopf in der Schlinge stak, während das Gemach unbeschädigt war,ohne Eingang und ohne ein Schlupfloch nach außen. In dieser Verlegenheitsoll er es nun also gemacht haben. Er hing den Leichnam des Diebes ander Mauer auf und stellte Wächter dazu, mit dem Befehl, falls sie einenweinen oder wehklagen sähen, den sollten sie ergreisen und zu ihm führen. Alsnun der Leichnam aufgehängt war, soll es seiner Mutter arg gewesen sein.Sie sprach mit ihrem übriggebliebenen Sohne und gebot ihm, es zu veran-stalten, wie er nur könne, daß er den Leib seines Bruders herunterkriege; und,wenn er das unterlassen wollte, drohte sie ihm, zum König zu gehen undanzuzeigen, daß er die Schätze habe. Als sich nun die Mutter so hart anließgegen den übriggebliebenen Sohn, und alles, was er ihr sagte, vergeblichwar, soll er folgenden Kunstgriff angewandt haben. Er schirrte Esel an,legte ihnen Schläuche voll Wein auf und trieb alsdann die Esel vor sich her;und als er an die Wache des aufgehängten Toten kam, so zog er drei odervier aufgebundene Zipfel der Schläuche auf. Als nun der Wein auslief, schluger sich vor den Kopf m t lautem Geschrei, als wisse er nicht, zu welchem Eseler sich zuerst wenden solle. Die Wächter aber sahen nicht sobald die MengeWein, die auslief, als sie sämtlich mit Gefäßen in den Weg rannten, undden ausfließenden Wein als gute Beute einsammelten; worüber er sich zornigstellte und alle ausschalt. Da ihm aber die Wächter zuredeten, stellte er sichals werde er allmählich ruhiger und sein Zorn lasse nach; und zuletzt trieb erdie Esel aus dem Wege und schirrte sie zurecht. Wie nun ein Wort das anderegab, auch der und jeuer seinen Spaß mit ihm hatte, und ihn zum Lachenbrachte, gab er ihnen noch einen Schlauch dazu; und jetzt beschlossen sie, anOrt und Stelle sich zum Trinken zu legen, wollten auch ihn dabei haben undhießen ihn bleiben, um hier bei ihnen mitzutrinken, wozu er sich denn auchverstand und dablieb. Endlich als sie ihm beim Trinken herzlich schön thaten.gab er ihnen noch einen zweiten Schlauch dazu. Da wurden die Wächter vomtüchtigen Zechen übermäßig betrunken, und, vom Schlaf überwältigt, strecktensie sich an derselben Stelle hin, wo sie getrunken hatten. Nun nahm er, daes schon tief in der Nacht war, den Leib des Bruders herunter, und schor auchnoch allen Wächtern zum Schimpf den rechten Backenbart ab; legte dann denLeichnam auf die Esel und trieb sie nach Haus, nachdem er so, was ihm seineMutter geboten, vollzogen hatte.
Der König soll es aber, als ihm gemeldet wurde, der Leichnam deS Diebessei entwendet, sehr arg empfunden haben; und da er durchaus ausfindig machenwollte, wer in aller Welt solches angestellt habe, soll er, was mir einmal nichtglaubwürdig ist, folgendes gethan haben. Er ließ seine Tochter in der Budefeil sitzen, und gab ihr auf, jeden ohne Unterschied anzunehmen; ehe sie aberzusammenkämen, müsse ihr jeder den klügsten und den sündlichsten Streichsagen, den er in seinem Leben ausgeführt, und wenn da einer die Geschichtemit dem Dieb erzähle, den solle sie ergreifen und nicht herauslassen. Diesthat das Mädchen, wie es ihr vom Vater geboten war; der Dieb aber, derverstand, wo das hinaus wolle, beschloß, den Kön'g noch an Verschlagenheit
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