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Romanzero
Seite
129
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Drittes Buch. Hebräische Melodien. 129

Und der Lieder Süße wurdeBittrer Wermut für den Neidhart.

Er verlockte den VerhaßtenNächtlich in sein Haus, erschlug ihnDorten und vergrub den LeichnamHinterm Hause in dem Garten.

Aber siehe! aus dem Boden,

Wo die Leiche eingescharrt war,

Wuchs hervor ein FeigenbaumVon der wunderbarsten Schönheit.

Seine Frucht war seltsam länglichUnd von seltsam würz'ger Süße;

Wer davon genoß, versankIn ein träumerisch Entzücken.

In dem Volke ging darüberViel Gerede und Gemunkel,

Das am End' zu den erlauchtenOhren des Kalifen kam.

Dieser prüfte eigenzüngigJenes Feigenphänomen,

Und ernannte eine strengeUntersuchungskommission.

Man verfuhr summarisch. SechzigBambushiebe auf die Sohlet!

Gab man gleich dem Herrn des Baumes,

Welcher eingestand die Unthat.

Darauf riß man auch den BaumMit den Wurzeln aus dem Boden,

Und zum Vorschein kam die LeicheDes erschlagenen Gabirol.

Diese ward mit Pomp bestattetUnd betrauert von den Brüdern;

An demselben Tage henkteMan den Mohren zu Corduba.

Magmen!,)

Heine. Romanzew.