Heine: Romanzcro.
Und die Zinnen von GrnnadaSichtbar sind zum letzten Male:
Dorten stieg vom Pferd der KönigUnd betrachtete die Stadt,
Die im Abendlichte glänzte,Wie geschmückt mit Gold und Purpur.
Aber, Allah! Welch ein Anblick!Statt des vielgeliebten Halbmonds,Prangen Spaniens Kreuz und FahnenAuf den Türmen der Alhambra.
Ach, bei diesem Anblick brachenAus des Königs Brust die Seufzer,Thränen überströmten plötzlichWie ein Sturzbach seine Wangen.
Düster von dem hohen ZelterSchaut herab des Königs Mutter,Schaut auf ihres Sohnes JammerUnd sie schalt ihn stolz und bitter.
„Boabdil el Chico", sprach sie,„Wie ein Weib beweinst du jetzoJene Stadt, die du nicht wußtestZu verteid'gen wie ein Mann."
Als des Königs liebste KebsinSolche harte Rede hörte.
Stürzte sie aus ihrer SänfteUnd umhalste den Gebieter.
„Boabdil el Chico", sprach sie,„Tröste dich, mein Heißgeliebter,Aus dem Abgrund deines ElendsBlüht hervor ein schöner Lorbeer.
„Nicht allein der Triumphator,
Nicht allein der sieggekrönteGünstling jener blinden Göttin,
Auch der blutige Sohn des Unglücks,
„Auch der heldenmütige Kämpfer,Der dem ungeheuren Sch cksal