Erstes Buch. Historie». 17
Sie sang die TotenlitaneinIn kindisch frommer Weise;
Das klang so schauerlich in der Nacht —
Die Mönche beteten leise. —
Karl I.
Im Wald, in der Köhlerhütte sitztTrübsinnig allein der König;
Er sitzt an der Wiege des KöhlerkindsUnd wiegt und singt eintönig:
„Eiapopeia, was raschelt im Stroh?
Es blöken im Stalle die Schafe —
Du trägst das Zeichen an der StirnUnd lächelst so furchtbar im Schlafe.
„Eiapopeia das Kätzchen ist tot —
Du trägst auf der Stirne das Zeichen —
Du wirst ein Mann und schwingst das Beil,
Schon zittern im Walde die Eichen.
„Der alte Köhlerglaube verschwand,
Es glauben die Köhierkinder —
Eiapopeia — nicht mehr an GottUnd an den König noch minder.
„Das Kätzchen ist tot, die Mäuschen sind froh —Wir müssen zu schänden werden —
Eiapopeia — im Himmel der GottUnd ich, der König auf Erden.
„Mein Mut erlischt, mein Herz ist krank,Und täglich wird es kränker —
Eiapopeia — du Köhlerkiud,
Ich weiß es, du bist mein Henker.
„Mein Todesgesang ist dein Wiegenlied —Eiapopeia — die grellenHaarlocken schneidest du ab zuvor —
Im Nacken klirrt mir das Eisen.
Heine. Romanzero. 2