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Romanzero
Seite
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Ig Heine: Romanzcro,

Viel tausend Leichen lagen dortErbärmlich auf blutiger Erde,

Nackt ausgeplündert, verstümmelt, zerfleischt.Daneben die Äser der Pferde.

Es wadete Edith SchwanenhalsIm Blute mit nackten Füßen;

Wie Pfeile aus ihrem stieren Aug'Die forschenden Blicke schießen.

Sie suchte hin, sie suchte her.

Oft mußte sie mühsam verscheuchenDie srnßbegierige Rabenschar;

Die Mönche hinter ihr keuchen.

Sie suchte schon den ganzen Tag,

Es ward schon Abend — plötzlichBricht aus der Brust des armen WeibsEin geller Schrei, entsetzlich.

Gefunden hat Edith SchwanenhalsDes toten Königs Leiche.

Sie sprach kein Wort, sie weinte nicht,Sie küßte das Antlitz, das bleiche.

Sie küßte die Stirne, sie küßte den Mund,Sie hielte ihn fest umschlossen;

Sie küßte auf des Königs BrustDie Wunde blutumflossen.

Auf seiner Schulter erblickt sie auch —Und sie bedeckt sie mit Küssen —

Drei kleine Narben, Denkmäler der Lust,Die sie einst hinein gebissen.

Die Mönche konnten mittlerweil'Baumstämme zusammenfugen;

Das war die Bahre, worauf sie alsdannDen toten König trugen.

Sie trugen ihn nach Waltham-Abtei,Daß man ihn dort begrübe;

Es folgte Edith SchwanenhalsDer Leiche ihrer Liebe.