An der Nordlänge der thurmreichcn Radesbonna hin, der feistzwanzig Jahrhunderte im Darüberwandel ungetilgte Stempel cingcstapft,den Gebirgsbogen im Norden begleitend, hochübcrwölbte Brückenpfeilerbcschäumend, windet sich die cwigjunge Stromschlange der alten Dunowe,von ihrem Felsen bezwingendem Gange gegen Osten die Sonnentrotzeringenannt, und riesig darüber ragen zwei hohe, dicke, mit vierkantigen Zie-gcldeckcn bestülpte Thurmstümmel, und von ihnen gegen Aufgang gestreckt,der, durch den wiedergesundctcn Kunstsinn ausgewustete, majestätische Dom,umprangt vom kühnen Schmucke seiner Spitzsäulen, seiner blumigen Ge-länder und seinen nach Innen farbenstrahlenden, spitzbogigen Lichtpfortcn.
Der Reisende hat in diesen erhabenen Räumen köstliche Morgenstun-den dem Kunstgenüsse und religiöser Erbauung gewidmet, der Deutschemit freudigem Stolze, der Fremde mit anerkennender Bewunderung, DerWunsch, von den Höhen dieses Baues eine Umschau zu thun im weitenlandschaftlichen Gesichtskreise seiner Herrschaft führt ihn empor und imDoppclringe die schwindlichen Umgänge herum, und von dem in der Vo-gelschau sich entwirrenden Knäuel der alten Gassen, welche einst der eherneSchritt römischer Cohortcn durchklirrt — die Festcinzüge deutscher Kaiserdurchjubelt, — die Geschäftigkeit des Kauf- und Tauschmarktes durch-rauscht, — kirchliche Umgänge feierlich durchwallt, — des letzten Zwing-herrn der Deutschen mctallnc Donner durchbrüllt, — von ihnen hinausin die Fernen über die Kränzen des einst rcichsstädtischen Weichbildes sichallmählig erweiternd, schweifen die forschenden Blicke, über dein GeHügeldes Südens, durch das fruchtprangende Flachland des Ostens, an denGeländen der nördlichen Berge sich ergehend, und haften endlich, hinge-