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er noch einen Gast erwarte. Der erste Gang war schon vorüber,und noch immer war der leere Platz unbesetzt. Der zweite Gangwurde aufgetragen, da trat ein junges, schönes Madchen herein;aber bestürzt über die große und vornehme Gesellschaft an der Ta-fel des Fürsten, wollte sie sich sogleich wieder entfernen.
»Kommen Sie nur naher!« rief ihr Blücher zu, »und setzenSie sich. Der Platz dort ist für Sie bestimmt, und was Siesonst wünschen, das tragen Sic nur dreist Ihrem Nachbar vor, erwird es Ihnen gewiß nicht abschlagen.«
Das junge Madchen gehorchte. Bald bekam sie eins ruhi-gere Fassung wieder und erzählte, sie sei die Braut eines Freiwilli-gen, der eine eben erledigte Pfarre auf einem der Güter des Gene-rals zu erlangen wünsche. Sie hatte sich deshalb schriftlich an denFürsten gewendet und diesen um seine Fürsprache gebeten, woraufer sie auf den andern Tag zu sich bestellt hatte, den Bescheid aufihr Schreiben selbst zu holen. Auf diese Weise hatte Blücher sehrfein bewirkt, daß die Bitte des Madchens sogleich erfüllt wurde.
2. In den letzten Jahren seines Lebens erzählte Blüchergern von seinen Heldenthaten, aber das Gedächtnis hatte gelitten,so daß er, ohne es zu wollen, oft ganz irrige Dinge vorbrachte.Einst war ein fremder Ofsicier bei ihm zu Tische und bat ihn wie-derholt, etwas von der Schlacht an der Katzbach zu erzählen. Blü-cher weigerte sich anfangs, allein endlich gab er nach, wandte sichan den ebenfalls anwesenden Gneisenau und sing folgendermaßenan zu erzählen: »Gneisenau, das müssen Sie doch sagen, daßich die allein gewonnen habe? Ich sah mir die Gegend an; sieschien mir geeignet, die Franzosen erst über die Katzbach herüberzu lassen, und dann wieder hinein zu werfen. »Gneisenau, ichdächte hier!« sagte ich. »Nein das geht nicht!« meint Gneisenau.Ich dachte, er muß es verstehen, und wandte mein Pferd, um wei-ter zu reiten. Aber kaum bin ich zehn Schritt geritten, so mußich das Pferd wieder umdrehen, muß mir die Gegend ansehen; ichreite an Gneisenau, der will aber gar nicht. Wir reiten weiter bisJauer und bleiben da die Nacht. Ich werfe mich aufs Strohund wollte schlafen, hatte aber keine Ruhe, die Hügel standen im-mer noch vor meinen Augen. Ich ging noch zu Gneisenau, undsagte, wir müßten da schlagen, wir würden sicher siegen. »WennSie's durchaus haben wollen,« antwortete der, »so mag's gesche-hen ! es wird am Ende wohl gehen.« Die Brigaden brachen auf.Und ich hatte diesmal Recht, denn es ging auch.« — Als ein anderMal ein ähnlicher Fall vorkam, wagte ein Adjutant den Feldmar-