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ihm zuletzt eine vorwärts gebeugte Haltung. Doch sein Haupterhob sich in aller Schönheit, welche das Alter, das so viele nimmt,noch verleiht. Ein herrlicher Schädel, nur noch spärlich bedeckt vongrauen Haaren, eine prächtige Stirn, eine starke, gekrümmte Nase,scharfe, heftig rollende, und doch im Grunde sanftblickende, hell-blaue Augen, dunkel geröthete Wangen, ein feiner, aber vom star-ken, herabhangenden Schnurrbart fast überschatteter Mund, einwohlgeformtes starkes Kinn, alles dieß stimmte zu einem tüchtigenMenschenantlitz überein, dessen ausgearbeitete Züge sogleich einen be-deutenden Charakter erkennen ließen. Sein ganzes Ansehn trugdas Gepräge eines Kriegshelden, eines gebietenden wie eines voll-streckenden.« — Alle seine Handlungen verriethen den Mann vonKraft, ohne dabei in das Gebiet des Gemeinen und Rohen Über-zuschreiren; vielmehr verrieth in feingebildeten Kreisen jedes Wort,jede Bewegung und jeder Gesichtszug die Bildung des Geistes unddie Aeußerungen der Schicklichkeit, welche der feinere Gesellschafts-ton verlangt. Dieses Alles machte ihn zum Liebling der Frauen-welt, selbst noch in seinem höhern Alter. Unwiderstehlich war derZauber, wenn seinem Munde liebliche Worte der Bcredtsamkeitentströmten und die Hand behaglich den starken Knebelbart strich.
Mit gleicher Schwärmerei verehrte ihn die mannliche Jugend;denn er war der herzliche Theilnehmer an ihren rauschenden Freu-den, der billige Richter ihrer Verirrungen und der besorgte Freundfür ihr künftiges Schicksal. Ihn schätzten Manner und Greisewegen seines offenen, biedern Urthcils und wegen seiner rücksichts-losen Vertheidigung alles dessen, was er für recht und wahr erkannte.
Nur gegen Höhere war sein Benehmen voll Ernst, Würdeund Anstand. Den Freund behandelte er offen und zutrauungs-voll, den Fremden höflich und zuvorkommend, den Untergebenen mitMilde und Sanftmuth, und den Beleidiger oder heimlichen Ver-läumder zwar artig, aber mit einer solchen Kraft, welche die niedrigeHandlungsweise des Elenden und Feigen zur drückenden Lastmachte. Als er 1816 Rostock besuchte, ließ er sich in das HauSfuhren, in dem er geboren worden, und in den Garten, in dem erals Knabe so oft gespielt hatte; fast jede Stelle rief Scenen ausseiner Kindheit in sein Gedächtnis zurück. Auch einen Spielkame-raden aus jener frühen Zeit fand er noch am Leben, erkannte ihnsogleich und umarmte ihn herzlich. Es hatte in dem Laufe derJahre, in denen sie sich nicht gesehen, allerdings eine ungeheureKluft des Standes sich ausgedehnt zwischen diesen beiden Greisen,die als Knaben sich gegenseitig als ihres Gleichen betrachtet hatten;