Und so bewiesen auch die Deutschen, daß ihnen keinesweges Natio-nalsinn fehle, und daß sie gern große Manner ehren, wenn sie nurwahrhaft deutschen Sinn und deutschen Much öffentlich darlegen.
Wie wenige Sterbliche hatten diese großen Auszeichnungenertragen können, ohne sich über ihre Mitbürger anmaßend zu er-beben, und mit ihren Würden, Titeln und Orden zu prunken?Nicht so Blücher. Ihn sreueten zwar die vielen ungeheucheltenBeweise der Anhänglichkeit seiner Landsleute, aber immer behielt erseinen bescheidenen Sinn, und sähe sich nur als ein Werkzeug an,durch das Gott so viel Herrliches hervorbrachte. »Nicht wirMenschen haben das große Ziel errungen, sondernGottes Güte verschaffte uns den Sieg!« und bei einerandern Gelegenheit antwortete er: »Was ist es, was ihr sorühmt? Es war meine Verwegenheit, Gneisenau'sBesonnenheit und des großen Gottes Barmherzig-keit! Diese bescheidene, Gott ergebene Gesinnung zeigte er beijeder Gelegenheit und unter allen Umstanden bis an seinen Tod.Ein ander Mal, in einer zahlreichen Gesellschaft, als schon vieleTrinksprüche ausgebracht, Räthsel aufgestellt und gelöst und man-cherlei Scherze zum Besten gegeben waren, nahm Blücher dasWort und sagte: er wolle thun, was ihm Keiner nachmachenkönne, er wolle seinen eigenen Kopf küssen!« Die An-wesenden sannen hin und her, wie der Fürst dieß anfangen werde;Einige meinten, das sei ja rein unmöglich; Andere gedachten beisich, daß Blücher schon viel Unmöglichscheinendes möglich gemachthabe. »Na so paßt man auf!« rief Blücher zuversichtlich, unddie gespannt Erwartenden überlief es kalt. Er erhob sich, gingzu Gneisenau und küßte denselben mit herzlicher Umarmung. Sowar ganz einfach die wunderbar klingende Selbstaufgabe gelöst, —wenigstens nach seiner Meinung, denn er betrachtete bei seinen Tha-ten als Feldherr sich selbst nur als den ausführenden Arm, dengeliebten Gneisenau aber als das leitende Haupt.
Die Bescheidenheit Blüchers schloß aber auch ein edles Selbst-gefühl nicht aus. Am 15. December empfing Blücher von einemhohen Staatsbeamten, der jetzt auch schon verstorben ist, ein Schrei-ben, welchem als Beleg der Bericht einer untern Behörde beigefügtwar, worin Blücher anführungsweise immer nur kurz weg derp. p. Blücher genannt wurde. Der Inhalt befriedigte ihn wenig,denn die Auszahlung einer Geldsumme, die er als Rückstände sei-ner Präbende ansprach, fand noch einige Schwierigkeit. Indem«r das ungünstige Blatt ärgerlich anschaut, beißt ihn plötzlich da§