51
Vordringen der Preußen würde die abgesessenen Euirassiere der Ge-fahr ausgesetzt haben, gesangen zu werden. Jetzt erblickte Nostitzden Ulanen-Unteroffizier Schneider vom Regiment des Oberstvon Lützow ; er siel ihm in den Zügel, befahl ihm, abzusteigen, undrief noch anders Reiter zur Hülfe herbei. In der größten Eilewurde das todte Pferd von dem Fürsten gehoben, wozu sechs Mannnöthig waren. Blücher, noch betäubt vom Sturze, konnte sichnicht gleich von der Gefährlichkeit seiner Lage überzeugen. Fastwider Willen ließ ihn Nostitz auf ein für ihn gewähltes Pferd auf-sitzen, denn sein eigenes Pferd war ebenfalls schon zu matt. Kaumhatte der Fürst sich aufgesetzt, als die Preußische Cavalleric von demFeinde abermals geworfen wurde, und dieser mit der erster» fast zugleicher Zeit herankam. Der Fürst eilte zu der zunächst stehendenInfanterie und war dadurch gerettet. Mit fortgerissen von demStroms des Rückzugs, kehrte Blücher Nachts bei der ersten Rastin eine Bauerhütte ein. Der Körper des Greises war durch denSturz gewaltig erschüttert; alle Gelenke schienen den Dienst versa-gen zu wollen und in der Seite hatte er Quetschungen erhalten, dieihm bedeutende Schmerzen verursachten. Allein sein Geist warunerschüttert, sein Herz muthig und unverzagt. Seine Begleiterin der Hütte wurden bald vom Schlummer überwältigt; er aberwachte, für sich überdenkend, was geschehen war und was nun zuthun sei. Zum hereintretenden Eneisenau sagte er fast scherzend:»Wir haben Schläge gekriegt, wir müssen es wiederausbessern!« — und begann sofort sich mit ihm zu berathen.
— Während ein Wundarzt damit beschäftigt war, die Quetschun-gen mit Kampherspiritus einzureiben, dictirte er den Bericht an sei-nen Monarchen. Dazwischen fragte er den Wundarzt: »Wasreiben Sie da ein?« — »Spirituosa, Ew. Durchlaucht.« — »Aus-wendig hilft das nicht viel. Champagner!« -— Man brachte einenKorb. Er ließ sich ein Glas einschenken und trank dem Courier zu,den er eben abfertigen wollte. »Sagen Sie Sr. Majestät,« spracher, »ich habe kalt nachgetrunken, es werde nun schon besser gehen.«
— Am folgenden Morgen führte er das Heer nach Wavre, um mitWellington in bessere Verbindung zu kommen. Einen Tagesbe-fehl, den er am 17. Morgens dem Heere mittheilen ließ, schloß ermit den gewichtigen, herzerhebenden Heldenworten: »Ich werdeEuch wieder vorwärts gegen den Feind führen; wirwerden ihn schlagen, denn wir müssen!«
Als der französische General Bourmont, der seinem Vaterlandsuntreu geworden war oder wenigstens die Fahnen Napoleons nahe