44
schrei: Liüeker kor eror! (Blücher auf ewig!) »Das Volkthul wahrhaftig, als hatte es fein Lebtag unfere Art nicht gesehen!«äußerte Blücher. Die Pferde wurden vom Wagen gespannt, derWagen von Menschen bis zum großen Gasthof gezogen. Manhob den Helden aus dem Wagen und trug ihn auf sein Zimmer.Manner und Jünglinge, Frauen und Madchen drängten sich anihn; diese umarmten und küßten ihn, jene schüttelten ihm traulichdie Hand. Man bat, zum Andenken, nur um kleine Stücke vonseinem Ueberrock. Schöne Frauen verlangten Haarlocken. Erzeigte ihnen seinen greisen, halbnackten Scheitel und sagte: »Esthut mir Leid, daß ich in dieser Hinsicht so arm bin. BetrachtenSie selbst meinen Scheitel! nicht wahr? wenn ich jedem dieser schö-nen Kinder auch nur ein einziges Haar gebe» wollte, so müßte ichdurchaus kahl von dannen gehen.« Dafür mußte er gestalten,daß die Frauen seinen starken Knebelbart küßten, um sich dieser,ihnen von dem Tyrannenbändiger erzeigten Ehre öffentlich berüh-men zu können. Von dieser großen Volksliebe auf's innigste be-wegt, rief er aus: »Ich unterliege der Ehre, die mir erwiesenwird!«
Die Monarchen waren, um jeden Prunk und alles Aufsehenzu verhüten, unerkannt in London angekommen. Dafür erhieltVater Blücher die größten Ehrenbezeigungen. Die Eigcnthüm-lichkeit seiner Erscheinung war zu auffallend, als daß der Versuch,incognito zu reisen, ihm hatte gelingen können; er mußte also denganzen »Sturm des Volksjubels« allein aushalten. Nicht seltenwurde durch das Gedränge die Fahrt gehemmt; dann wollte Jederihm die Hand drücken, und er mußte sie Hunderten reichen, bevores wieder weiter gehen konnte. Auf einer häuserleeren, aber mitschaulustigen Menschen bedeckten Strecke der Landstraße meldetesich ihm ein Bedürfnis an, zu dessen Befriedigung seine Augensehnlichst nach irgend einer deckenden Stelle umherspäheten. End-lich zeigte sich, nicht weit vom Wege eine Steinbruch-Vertiefung»Zu dieser nahm er seine Zuflucht, hoffend, daß er hier ungestörtzum Zwecke kommen werde, dem bei unserm Helden schon seitJahren gewöhnlich sehr empfindliche Beschwerden vorhergingen.Letztere blieben auch jetzt nicht aus, und hielten dieß Mal besonderslange an. Geduldig harrte er. Mit ihm harrten, ohne daß eres wußte, unzahlige, zum Theil fein gekleidete, sehr anständigeMenschen, welche bis an den äußersten Rand der Vertiefung ihmnachgefolgt waren und mit mitleidsvollem Schweigen auf de»Helden und seine Schmerzen hinabschauten. Endlich trat das Er-