Druckschrift 
Anekdoten, Züge und Skizzen aus dem Leben des Königlich Preußischen Feldmarschalls Lebrecht von Blücher : mit Bildn.
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42

wäre, zu seiner Genesung der Ruhe bedurste, legte er am 2.April die Befehlsührung des schlesischen Heeres nieder, »belohnt ge-nug,« wie er sagte, »daß ihm so Großes zu vollbringen anver-traut gewesen.

In die nun beginnenden Unterhandlungen mischte sich Blü-cher nicht. »Ich habe,« sagte er zu den Diplomaten, »meineSache gemacht; nun macht Ihr die Eure! Ihr habt es vor Gottund der Welt zu verantworten, wenn unsere Arbeit umsonst gethanist und noch einmal gethan werden muß. Mich geht's weiternichts an!« — Jndeß traute er, nach den gemachten Erfahrungen,den »Federfuchsern« doch nicht viel Gutes zu. »Es ist eine Lustund Herrlichkeit ohne Gleichen!« äußerte er einst gegen seine Ver-trauten: »eine Großmuth und Menschenfreundlichkeit mit demFranzosenvolk, daß man's kaum glauben konnte, wenn man's nichtsähe und hörte. Wenn das gut geht, — na, so ist's mir auchrecht; mögen sie nur unsere braven Soldaten und das arme Va-terland nicht darüber vergessen!«

Nach seiner Genesung verbrachte er die Zeit mit Besichti-gung der Stadtmerkwürdigkeiten, müßigem Herumschlendern, Be-suchen der Freunde, in geselligen Zirkeln, Gast- und Kaffeehäu-sern, bei Gastmahlen und Trinkgelagen, besonders gern auch beimKarten- und Würfelspiel. Während des Feldzugs hatte er niegespielt. Jetzt aber, in der Ruhe, verlangte sein Geist für dasgefahr- und wechselvclle, stets spannende Kriegsleben, das ihm zurandern Natur geworden war, einen Ersatz, und diesen suchte er imSpiele. Daher spielte er hoch, sehr hoch. Ein Wurf, Ein Blattam grünen Tische im Palais Royal kostete oder erwarb ihm mit-unter an 1000 Louisd'or. Es war bei ihm hauptsächlich diedurch Schlachten genährte Lust am Wagen; nicht der Gewinn,sondern das Gewinnen machte ihm Freude, nicht der Verlust, son-dern das Verlieren verursachte ihm Verdruß. Dabei schlug er denWerth des Geldes zu gering an, als daß kleine Summen imStande gewesen wären, ihn, der im Kriege sein eigenes Leben unddas von 100,000 Kriegern »auf den eisernen Würfel der Schlacht«gesetzt hatte, zu imeressiren und zu spannen; diese Spannung aber,und die Abwechselung des Gewinnens und Verlierens, der Freudeund des Verdrusses, der Erwartung und Entscheidung, des Gelin-gens und des Fehlschlagens war ihm geistiges Bedürfniß geworden.Das Glück war ihm dabei nicht ganz ungünstig; doch nahm erbei seiner Abreise aus Paris nur 1700 Napoleonsd'or als Gewinnmit. Er wollte in Paris nichts vorstellen; er erschien gewöhnlich