Druckschrift 
Anekdoten, Züge und Skizzen aus dem Leben des Königlich Preußischen Feldmarschalls Lebrecht von Blücher : mit Bildn.
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

des russischen Generals Langeron zog. Zu derselben Zeit ging derlinke Flügel, unter Sacken, bei Mannheim, und der rechte, unterSt. Priest bei Coblenz über den Rhein.

An die Bewohner des linken Rheinufers erließ MarschallBlücher am 1. Januar folgenden Aufruf, um sie mit den gemä-ßigten Grundsätzen der Verbündeten bekannt zu machen: »Ichhabe das fchlesische Heer über den Rhein geführt, damit die Frei-heit und Unabhängigkeit der Nationen hergestellt, damit der Friedeerrungen werde. Der Kaiser Napoleon hat Holland, einen Thcilvon Deutschland und Italien dem französischen Reiche einverleibt,er hat erklärt, daß er kein Dorf dieser Eroberung herausgebenwürde, selbst wenn der Feind auf den Höhen von Paris erschiene.Gegen diese Erklärung, gegen diese Grundsätze marschiren dieHeere aller europäischen Mächte. Wollt Ihr diese Grundsätzevertheidigen? Wohlan! so tretet in die Reihen Napoleons, undversucht Euch im Kampfe gegen die gerechte Sache, welche von derVorsehung so augenscheinlich beschützt wird! Wollt Ihr es nicht,so findet Ihr Schutz bei uns. Ich werde Euer Eigenthum sichern.Jeder Bürger, jeder Landmann bleibe ruhig in seiner Wohnung,jeder Beamte an seinem Platze, und setze ungestört seine Dienst-verrichtung fort! Von dem Augenblücke des Einrückens der ver-bündeten Truppen an muß jedoch alle Verbindung mit dem fran-zösischen Reiche aufhören; wer sich dieser Anordnung nicht fügt,begeht Verrath an den verbündeten Machten, wird vor ein Mili-tärgericht gestellt und erleidet die Todesstrafe!

Gegeben am linken Rheinufer den i. Januar 1814.«

Buonaparte's Anhänger hatten in Frankreich die verbündetenKrieger als blut- und raubgierig geschildert, die nur kämen, umgefühllos durch Plünderung und Grausamkeit Rache zu nehmenfür die erlittenen Drangsale in ihrem Vaterlande. Blücher suchte,sobald sein Heer den altfranzösischen Boden betrat, die Einwohnerzu beruhigen. »Franzosen! Laßt Euch nicht durch verläumdrischeGerüchte betrügen, von Uebelgesinnten ausgestreuet; sehet in denHeeren der Verbündeten Monarchen nur Freunde der Menschheit,deren einzige Feinde die Feinde des Friedens sind. — Eure Ver-wandte, Eure Freunde, Eure Brüder, Eure Kinder, kriegsgefan-gen auf fremdem Boden, vereinigen ihre Wünfche mit den unsri-gen, für einen Frieden, dessen erste Wohlthat sein wird, sie inden Schooß ihrer Familien zurück zu führen.« — Und als er mitseinem Hauptquartier am 16. Januar in Nancy, der HauptstadtLothringens, einrückte, und ihn der Gemeinderath mit einer zier-