VI
thümlichkcitcn der schweizerischen Verhältnisse, es weiterganz der innern Kraft der Wahrheit überlassen mußte.Die Schweiz war damals durch den verderblichen Ein-fluß fremder Hofintriguen in unglückseligen Partcizwistzerfallen, und so wurden die Bestrebungen einer einzel-nen Kantonsregicrung, wenn sie auch noch so vatcrlän-dsscst waren, nicht anders als mit den Augen des Par-teihasses betrachtet. So fand die Reformation, dieZwingst in Zürich begonnen, weil sie das ganze Lebender schweizerischen Republik mit dem Sauerteige desEhristcnthums durchdringen und die Verhältnisse desFreistaates im Lichte der reinen Lehre Jesu gestaltenwollte, innerhalb der Grenzen des Vaterlandes desgroßen Reformators vielfachen Widerspruch und großeAnfeindung. Nicht hatte sodann Zwingst das Glück,welches Luther und Calvin genossen, seine Gedankeneiner zahlreichen, studirendcn Jugend mittheilen zu kön-nen, damit diese, als Apostel der neuen Lehre, weithindie Fnnken seines Geistes tragen und das Licht des ge-läuterten Glaubens anzünden konnten. Seine Wirksam-keit, in Wort und Schrift, bestand mehr in einem un-mittelbaren Eingreifen in die Gegenwart und in derGestaltung derselben.
Als nun Zwingst mitten in seiner Wirksamkeit, imKampfe für seine Uebcrzengnng, durch Fcindcshand fiel,brach auf einmal der ganze Haß der durch sein kräfti-