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4 (1861) Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
196
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Aber Maria ließ ihn nicht ausreden, sie hatteseine Hand crfasst, bedeckte diese Hand mit den hef-tigsten Küssen, und sagte dann lächelnd: Bitte, bitte,erzählen Sie mir noch mehr von ihren Liebschaften.Wie lange liebten Sie die marmorne Schöne, dieSic im Schlossgarten Ihrer Mutter gcküsst?

Wir reisten den andern Tag ab, antworteteMaximilian, und ich habe das holde Bildnis niewiedergesehen. Aber fast vier Jahre beschäftigte esmein Herz. Eine wunderbare Leidenschaft für mar-morne Statuen hat sich seitdem in meiner Seeleentwickelt, und noch diesen Morgen empfand ichihre hinreißende Gewalt. Ich kam aus der Lan-rentiana, der Bibliothek der Medicäer, und gerieth,ich weiß nicht mehr wie, in die Kapelle, wo jenesprachtvollste Geschlecht Italiens sich eine Schlaf-stelle von Edelsteinen gebaut hat und ruhig schlum-mert. Eine ganze Stunde blieb ich dort versunkenin dem Anblick eines marmornen Franenbilds, dessengewaltiger Leibesbau von der kühnen Kraft desMichel Angelo zeugt, während doch die ganze Ge-stalt von einer ätherischen Süßigkeit umflossen ist,die man bei jenem Meister eben nicht zu suchenpflegt. In diesen Marmor ist das ganze Traum-reich gebannt mit allen seinen stillen Seligkeiten,eine zärtliche Ruhe wohnt in diesen schönen Glie-