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4 (1861) Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
195
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hinbeugte, um die schönen Gesichtszüge zu betrach-ten; eine schauerliche Beängstigung stieß mich vonihr ab, eine knabenhafte Lüsternheit zog mich wiederzu ihr hin, mein Herz pochte, als wollte ich eineMordthat begehen, und endlich küsste ich die schöneGöttin mit einer Inbrunst, mit einer Zärtlichkeit,mit einer Verzweiflung, wie ich nie mehr geküssthabe in diesem Leben. Auch nie habe ich diesegrauenhaft süße Empfindung vergessen können, diemeine Seele durchfluthete, als die beseligende Kältejener Marmorlippen meinen Mund berührte . . .Und sehen Sie, Maria, als ich eben vor Ihnenstand und ich Sie in Ihrem weißen Musselinkleidcauf dem grünen Sofa liegen sah, da mahnte michIhr Anblick an das weiße Marmorbild im grünenGrase. Hätten Sie länger geschlafen, meine Lippenwürden nicht widerstanden haben . . .

Max! Max! schrie das Weib aus der Tiefeihrer Seele Entsetzlich! Sie wissen, dass einKuß von Ihrem Munde . , .

O, schweigen Sie nur, ich weiß, Das wärefür Sie etwas Entsetzliches! Sehen Sie mich nurnicht so flehend an. Ich missdeute nicht Ihre Em-pfindungen, obgleich die letzten Gründe derselbenmir verborgen bleiben. Ich habe nie meinen Mundans Ihre Lippen drücken dürfen . . .

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