Griechen nach erhabenster Verklärung der Wirklich-keit streben und sich zur Idealität emporschwingen,dringt unser moderner Tragiker mehr in die Tiefeder Dinge; er gräbt mit scharfgcwetztcr Geistes-schaufel in den stillen Boden der Erscheinungen,und entblößt vor unseren Augen ihre verborgenenWurzeln. Im Gegensatz zu den antiken Tragikern,die, wie die antiken Bildhauer, nur nach Schön-heit und Adel rangen, und auf Kosten des Gehal-tes die Form verherrlichten, richtete Shakspearesein Augenmerk zunächst ans Wahrheit und Inhalt;daher seine Meisterschaft der Charakteristik, womiter nicht selten, an die verdrießlichste Karikaturstreifend, die Helden ihrer glänzenden Harnischeentkleidet und in dem lächerlichsten Schlafrocke er-scheinen lässt. Die Kritiker, welche „Troilus undCressida" nach den Principien bcurtheilten, die Ari-stoteles aus den besten griechischen Dramen abstra-hiert hat, mufften daher in die größten Verlegen-heiten, wo nicht gar in die possierlichsten Jrrthümergerathen. Als Tragödie war ihnen das Stück nichternsthaft und pathetisch genug; denn Alles daringing so natürlich von Statten, fast wie bei uns;und die Helden handelten eben so dumm, wo nichtgar gemein, wie bei uns; und der Hauptheld istein Laps und die Heldin eine gewöhnliche Schürze,
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