jener Held, welcher beständig stirbt und beständigaufersteht — beständig liebt, beständig hasst, dochnoch mehr liebt als hasst — sich heute wie einWurm krümmt, morgen als ein Adler zur Sonnefliegt — heute eine Narrenkappe, morgen einenLorber verdient, noch öfter Beides zu gleicher Zeit
— der große Zwerg, der kleine Riese, der homöo-pathisch zubereitete Gott, in welchem die Göttlich-keit zwar sehr verdünnt, aber doch immer existiert
— ach! lasst uns von dem Hcldenthum diesesHelden nicht zu Viel reden, aus Bescheidenheit undScham!
Dieselbe Treue und Wahrheit, welche Shak-spcare in Betreff der Geschichte beurkundet, findenwir bei ihm in Betreff der Natur. Man Pflegtzu sagen, dass er der Natur den Spiegel vorhalte.Dieser Ausdruck ist tadelhaft, da er über das Ver-hältnis des Dichters zur Natur irreleitet. In demDichtcrgeistc spiegelt sich nicht die Natur, sondernein Bild derselben, das dem gctreucsten Spiegel-bildc ähnlich, ist dem Geiste des Dichters einge-boren; er bringt gleichsam die Welt mit zur Welt,und wenn er, aus dem träumenden Kiudcsaltcr er-wachend, zum Bewusstsein seiner selbst gelangt, istihm jeder Theil der äußern Erscheinungswclt gleichin seinem ganzen Zusammenhang begreifbar; denn