— 172 —
Aber auch in Beziehung auf seine römischenDramen muss Shakspcare wieder den Vorwurf derFormlosigkeit anhören, und sogar ein höchst begab-ter Schriftsteller, Dietrich Grabbe, nannte sie")„poetisch verzierte Chroniken," wo aller Mittelpunktfehle, wo man nicht wisse, wer Hauptperson, werNebenperson, und wo, wenn man auch auf Ein-heit des Orts und der Zeit verzichtet, doch nichteinmal Einheit des Interesses zu finden sei. Son-derbarer Jrrthnm der schärfsten Kritiker! Nichtsowohl die letztgenannte Einheit, sondern auch dieEinheiten von Ort und Zeit mangeln keineswegsunserm großen Dichter. Nur sind bei ihm dieBegriffe etwas ausgedehnter als bei uns: DerSchauplatz.seiner Dramen ist dieser Erdball, undDas ist seine Einheit des Ortes; die Ewigkeit istdie Periode, während welcher seine Stücke spielen,und Das ist seine Einheit der Zeit; und beidenangcmäß ist der Held seiner Dramen, der dort alsMittelpunkt strahlt, und die Einheit des Interessesrepräsentiert . . . Die Menschheit ist jener Held,
In seinem Aussatz „Über die Shakspearomanie,"abgedruckt im zweiten Band der „Dramatischen Dichtungenvon Grabbe," Frankfurt, 1827.
Anmerkung des Herausgebers.