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Schiffe abgerissen wurde. Jetzt ist nur noch der 1792 von Neuemgeweihte Chor erhalten.
Baubeschreibung.
Nach der ziemlich dunklen Beschreibung derjenigen Bericht-erstatter, welche den Bau noch wohl erhalten gesehen haben,bestand die Klosterkirche „aus einem in Centralform erbauten undüberwölbten Schiffe und dem gleichfalls gewölbten (noch vor-handenen) Chore. Die Umfassungsmauern des polygonen Schiffeswurden aufserhalb von 18 starken Strebepfeilern gestützt, zwi-schen denen bedachte, nur nach Aufsen geöffnete kapellenartigeAusbauten vorhanden waren. Im Innern waren die Umfassungs-mauern mit 21 runden, in die Mauer eingebundenen Säulen(Wanddiensten) besetzt, auf denen das grofse und weite Ge-wölbe ruhte. In der Mitte des Polygons standen sechs starke(mit Diensten gegliederte) Pfeiler, welche oberhalb des dazwischengespannten Kreuzgewölbes einen achteckigen hölzernen Glocken-thurm trugen, dessen Spitze mit eichenen Schindeln gedeckt war,während Hohlziegel die Dächer des Umgangs bedeckten” *). Lei-der überliefert keine Zeichnung diese für die Mark Brandenburgeinzig dastehende Bauanlage, welche ein um so gröfseres Inter-esse erweckt, als jene merkwürdige, äufsere Kapellenanlage zwi-schen den Strebepfeilern — der Tradition zufolge -— mit demAsylrechte ausgestattet gewesen sein soll.
Der noch erhaltene, einschiffige polygon (in fünf Seiten desZehnecks) geschlossene Chor ist in guten Verhältnissen erbaut,aber sparsam mit Kunstformen ausgestattet. Die einfachen, mitSchlufssteinen geschmückten Kreuzgewölbe werden von Rippengetragen, deren Kämpferansätze mit Masken geschmückt sind.
Die dreitheiligen, mit geschleiften Spitzbogen geschlos-senen Fenster sind tief gelaibt und ihre einfachen, (anStendal’sche Vorbilder erinnernde) Profile im Spitzbo-gen nicht herumgeführt, sondern wie der Holzschnittzeigt, unterhalb des Kämpfers beendigt. Im Innern sinddie Umfassungsmauern unterhalb der Fenster mit nie-drigen Flachbogenblenden ausgestattet. Der einheitlicheBau gehört in die Mitte des XV. Jalirh. und wird zwi-schen 1450—1460 erbaut worden sein.
VI. Klosterkirche St. Anna und Pfarrkirche St. Nikolaus.
Das im J. 1384 von einer Wittwe Elis. Stoteroggen aus Lü-neburg dicht neben dem Kloster St. Spiritus auf dem Perwererrichtete Jungfrauenkloster St. Anna, welches 1397 mit Hülfeeines den Bau leitenden Kanonikus Henricus Pistoris zu Standegekommen war, bestand kaum 100 Jahre auf der Stiftungsstelle.Oeffentlich erregtes Aergernifs, entstanden durch das zu naheNebeneinanderwohnen von Mönchen und Nonnen, veranlafste dieVerlegung des Klosters 1487 in die Stadt. Nach hergestelltemNeubaue des Klosters wurde dem Konvente die schon seit alterZeit bestehende Pfarrkirche St. Nikolaus zum Gottesdienste über-geben, und von demselben im J. 1519 ein neuer Chor daran ge-baut. Als mit dem Eintritte der Reformation das Kloster in einHospital verwandelt wurde, blieb die aus Backsteinen in Kreu-zesform erbaute Kirche, über deren Vierung sich ein achtecki-ger Thurm erhob, noch wohl erhalten und wurde erst in Folge ei-ner durch Orkan herbeigeführten Beschädigung im J. 1797 abgetra-gen 2 ). Ueber die Bauzeit der St. Nikolai-Kirche läfst sich nichtsSicheres entscheiden, doch mufs bemerkt werden, dafs die Er-
*) Vergl. Beckmann a. a. O. Sp. 86 und Pohlmann a. a. O. S. 241. Danneil,welcher in seiner Kirchengeschichte S. 106 diese Beschreibung auf den Chor bezieht, irrtoffenbar, da der Chor noch wohlerhalten steht. Die am Schlüsse des vorigen Jahrh. voneinem Augenzeugen, dem Prediger Dunker in Salzwedel, verfafsten Abhandlungen, inwelchen eine Beschreibung der merkwürdigen Bauanlage enthalten sein soll, hat der Ver-fasser mehrfacher Bemühungen ungeachtet, bisher nicht erlangen können.
2 ) Vergl. Beckmann a. a. 0. Sp. 57 ff., Pohlmann S. 259 und besonders Danneila. a. O. S. 108 und 230. Der in Merian’s Topographie S. 95 dargestellte Prospekt ist_ inBezug auf St. Nikolaus unzuverlässig, denn die Krcuzl'orm der Kirche ist nicht angegeben.
bauung eines massiven Vierungsthurmes mehr zu den Struktur-eigenthümlichkeiten des XIII. Jahrh. als späterer Jahrhundertegehört.
VII. Kleine kirchliche Bauwerke.
Nach dem im J. 1790 bewirkten Abbruche der auf der BurgSalzwedel seit ältester Zeit vorhanden gewesenen Kapelle St.Anna und nach der erst vor wenigen Jahren erfolgten Beseiti-gung der 1427 erbauten Hospitalskapelle St. Elisabeth sindjetzt nur noch zwei kleinere kirchliche Bauwerke vorhanden.
Die Stiftungszeit der in der westlichen Vorstadt — dem Bock-born —• belegenen, zu der Pilgerherberge St. Gertrud gehörigenKapelle ist nicht bekannt, doch war das Hospital im J. 1429sicher schon vorhanden. Das Kirchlein bildet einen gewölbtendreijocliigen Bau von 65 Fufs Länge zu 35 Fufs Breite mit halb-achteckigem Chore, Strebepfeilern und einem massiven Gloeken-thürmchen auf der schmucklosen Westfront. Zu dem Gurtge-simse, welches unter den gedrückten spitzbogigen zweitheiligenFenstern entlang läuft, sind glasirte Steine verwendet worden,welche auch an den flau profilirten Portalen auftreten. Derkleine, aber gut und tüchtig konstruirte und mit einer gewisseneinfachen Eleganz behandelte Bau ist dem Chorbaue der St.Marien-Kirche nahe verwandt und wird höchst wahrscheinlich1460 errichtet sein.
Die Kapelle St. Georg, zu dem Aussätzigen-Hause ( do-mus leprosoriim) gehörig und in der östlichen Vorstadt — demPerwer — belegen, wird im J. 1297 als bestehend genannt 1 ).Der mit einem einfachen Dachreiter ausgestattete, 45 Fufs langeund 25 Fufs breite Bau besteht aus einem oblongen, mit Stre-bepfeilern besetzten Langhause und der unmittelbar sich anschlie-fsenden halbkreisförmigen Apsis. Das Langhaus hat die beab-sichtigten Kreuzgewölbe nie empfangen, wohl aber die Apsis,deren halbkuppelförmiges Kreuzgewölbe von Rippenauf Konsolen getragen wird. Der Holzschnitt giebtvon der kräftig einfachen Formation dieser De-tails eine Darstellung. Der trefflich gemauerteBau ist mit gröfster Sparsamkeit durchgeführt, dieglatte Westfront nur im Giebel mit Spitzbogen-blenden verziert. Die schmalen Fenster sind spitzbogig geschlos-sen und mit einfach abgestuftenProfilen, deren Kanten gebrochenoder abgerundet sind, ausgestat-tet. Ihre Formation an der Apsistheilt der Holzschnitt mit. Im In-nern besitzen die Untermauernflachbogige, zweimal abgestufte Wandblenden, in welche späterviereckige Fenster eingebrochen sind. Das Steinformat beträgt10,| Zoll, 4| Zoll und 3. 1 Zoll. Der kleine Bau stammt unzwei-felhaft aus dem XIIL Jahrh. ca. 1280 und ist besonders deshalbinteressant, weil er das späte Vorkommen einer romanischenStrukturform (der Apsis) neben dem ganz entwickelten gothi-schen Struktursysteme (Rippengewölbe und Strebepfeiler) be-zeugt.
VIII. Thore.
Jede der beiden Städte — Alt- wie Neustadt — war imMittelalter durch eine thurmbesetzte Ringmauer, Wall und theil-weis doppelten nassen Graben sehr stark befestigt. Die Mauernder Altstadt werden urkundlich schon 1298 genannt, die der 1247gegründeten Neustadt 1315 als im Neubau begriffen erwähnt.Von den vier Thoren der Altstadt (im vorigen Jahrh. noch wohlerhalten) ist jetzt nur noch der zur Deckung des inneren Alt-
’) Bockmann a. a. O. Sp. 88.
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