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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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gothischen Fenstern zu erkennen '). Nicht minder eigenthüm- ! jlieh ist die an den Aufsenfa^aden des Chores bewirkte Wand- ; jgliederung mit Spitzbogenarkaden, welche Fig. 2 und 3 darstellt, ;zumal da die an der Nordseite des Chores völlig intakt erhalte-nen Wandpfeiler lehren, dafs dieselben ursprünglich in halber Höhenoch ein Mal durch doppelte Rundstäbe gegürtet waren. End- |lieh ist die schmuckreiche Giebelbehandlung mit kreisförmigen :Wandblenden, steigenden Bogenfriesen und einer Stromschicht,Fig. 3 und 6, sowie ihre sinnige Verbindung mit den Chorlang-fa<?aden, Fig. 2 und 7, als eine der phantasiereichsten und wir-kungsvollsten Schöpfungen des Backsteinbaues hervorzuheben, ,jwelche nur bedauern läfst, dafs dieselbe keine weitere Entwicke- jllung in den Marken erfahren hat -). Das Innere hatte ursprüng-lich eine nicht minder glänzende Ausstattung empfangen wiedas Aeufsere, denn nicht nur zeigen die wichtigsten Struktur- jtheile jene Verwendung von schwarz glasirten Gesimssteinen,oder den Wechsel rother und schwarz glasirter Formsteine, son-dern auch die im slavischen Verbände aufgemauerten Wände be- ;safsen eine gleiche schmuckreiche Behandlung durch die Glasi-rung aller Strecker. Das Steinformat beträgt 10- Zoll, 5 Zollund 3| Zoll. Merkwürdig ist die Thatsache, dafs die, wie oben jnachgewiesen, später erneuerten Gewölbe des Chores und Schif- !fes in einem den alten Theilen angenäherten Charakter und eben-falls mit besonderer Vorliebe für die Verwendung glasirter Form-steine hergestellt worden sind. *;

Der Verlust einzelner wichtiger Bautlieile, wie der Seiten-schiffe und des westlichen Glockenhauses ist bei diesem kleinenaber künstlerisch und würdig durchgebildeten Bauwerke aufsAeufserste zu beklagen, zumal ältere Beschreibungen und Ab- :bildungen darüber keine Auskunft geben.

Resultat. j

Aus den oben entwickelten, auf eine umfassende Betrach- jtung der altmärkischen Bauwerke basirenden Gründen mufs dasLanghaus von St. Lorenz um 1220, das Westhaus und der Chorca. 1230 erbaut und die Erneuerung der Gewölbe ca. 1450 be-wirkt worden sein.

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II. Pfarrkirche St. Maria. ( j

Historisches.

Die erste historisch gesicherte Erwähnung dieser ältesten jPfarrkirche der Altstadt fällt in Folge des Verlustes älterer Ur- jjkünden erst in d. J. 1285, worauf dann unmittelbar eine seltene jjFülle von Nachrichten sich anschliefst, aus denen aber bauge- I;schichtlich werthvolle Notizen nicht entnommen werden können. IIEine grofse Anzahl von Altarstiftungen ward am Schlüsse des |XIII. Jahrh. vorgenommen, doch sind derartige Frömmigkeits- jjZeugnisse auch aus den späteren Jahrhunderten in nicht gerin- |!ger Zahl überliefert 3 ). Eine besonders reich dotirte Mefsstif-tung im J. 1464, zu welcher der Rath und die Bürgerschaft be-deutend beisteuerten, und eine daran geknüpfte Ablafsertheilung Ischeint unmittelbar nach Vollendung des neuen Chores stattge-funden zu haben. In demselben Jahre wird die (noch vorhan-dene) Kapelle über der Gervekammer (Sakristei), und andere !

) Die in den Backsteinbauten der Altmark allmälig stattgefundene Umbildung der |jFenster läfst sich daher an folgenden Beispielen höchst anschaulich nachweisen; 1) die jApsisfenster von Jerichow (ca. 1210), 2) die Westfenster von Diesdorf (ca. 1225), 3) die jjOstfenster von St. Lorenz (ca. 1230), 4) die Ostfenster von Neuendorf (ca. 1245). Vergl. jjdie Holzschnitte S. 39 und S. 51, mit den Abbildungen auf Bl. XXX, Fig. 3 und Bl. XLI, |Fig. 4. ji

2 ) Das wichtigste Beispiel für die Entwickelung des Uebergangsstyls in den Marken !

ist jedenfalls die St. Marienkirche auf dem Harlunger Berge bei Brandenburg gewesen, de-ren Bauformen sich unmittelbar an St. Lorenz angeschlossen zu haben scheinen. Dagegen jist Mecklenburg noch jetzt sehr reich an derartigen schmuckvollen Backsteinbauwerken des |iUebergangsstyls, von denen hier nur die heilige Blutskapelle bei Dobberan, das Schiff derKlosterkirche zu Dargun, die Dorfkirchen von Alt-Kalden, Schorentin, Lage, Dassow jGrewismühlen etc. und einzelne Bautheile an St. Nikolaus zu Rostock so wie an den Stifts- (Kirchen von Bützow und Güstrow hervorgehoben sein mögen. jj

3 ) Vergl. Danneil a. a. O. S. 36 ff. jl

Kapellen, deren Lage in und an der Kirche ungewifs ist, in derzweiten Hälfte des XV. Jahrh. erwähnt. Nur die 1520 genannteneue Kapelle St. Anna ist noch an der Südwestseite der Kir-che sicher nachweisbar. Den seltenen Reichthum von Altä-ren und geistlichen Lehnen beweist der Visitationsrecefs vom J.1541, denn es waren beim Eintritte der Reformation 28 Neben-altäre und 81 geistliche Stiftungen an der Pfarrkirche vorhan-den ').

Baubeschreibung.

Die Form und Gröfse dieser geräumigen Pfarrkirche gehtaus dem auf Bl. XLIX, Fig. 12 mitgetheilten Grundrisse hervor.Dieselbe besteht aus dem fünfschiffigen Langhause, welches, nachWesten hin kapellenartig erweitert., den runden Glockenthurmumschliefst, während jenseits des Querschiffes der einschiffigepolygon geschlossene Chor die Bauanlage im Osten vollendet.Abgesehen von späteren Kapellenanbauten auf der Nord- wieSüdseite des Langhauses, lassen sich durch analytische Unter-suchung fünf Bauzeiten nachweisen, welche der Pfarrkirche ihrejetzige Erscheinung gegeben haben.

Der älteste Rest ist der in Granitquadern hergestellte Un-tertheil eines kolossalen Rundthurmes, welcher durch Gröfse undBaumaterial auf die Gestalt und Bauweise der ältesten Pfarrkir-che, welcher er als westlicher Glockenthurm angehörte, schlie-fsen läfst * 2 ). Indessen ist von diesem hochalterthümlichen Baue,dessen Entstehung mit Rücksicht auf die Thatsache, dafs Salz-wedel schon 1112 als wohl befestigter Ort in der Geschichteerscheint, in den Anfang des XII. Jahrh. gesetzt werden kann,nur der Unterbau mit einer rundbogigen Thür und schmalenFensterschlitzen bis auf eine Höhe von 10 Fufs erhalten.

Unmittelbar darüber setzen die Umfassungsmauern ab, undder achteckig gebildete Thurm steigt, in Backsteinen erbaut und miteiner hohen achteckigen Spitze abgeschlossen, bis zu einer Höhevon 245 Fufs empor. Der gröfsere Theil dieses achteckigen, mitLissenen, Bogen- und Stabfriesen ausgestatteten Thurmes gehörtin die zweite Bauepoche der Kirche, aus welcher noch die Mit-telschiffspfeiler, die Querschiffsmauern und die westlichen Theileder Chorwände erhalten sind. Nach diesen Bruchstücken zu ur-theilen, war die ca. 12231235 in Backsteinen neu erbaute Kir-che in Form einer dreischiffigen, gewölbten Basilika mit Quer-schiff und platt geschlossenem Chore hergestellt und in der Plan-bildung an St. Lorenz, in der Detailgliederung dagegen mehr anArendsee und Jerichow angeschlossen worden. Besonders über-einstimmend mit St. Lorenz erscheint der Wechsel an Stützen-formen im Mittelschiffe, wo zwei reich gegliederte, mit Halb-säulen besetzte Hauptpfeiler mit einfach runden oder achtecki-gen Pfeilern wechseln. Leider sind die Basen und Kapitelle die-ser Stützen untergegangen, dagegen finden sich die Kämpfer derVierung und der südlichen Arkadenreihe am Thurme noch wohlerhalten. Vergl. Bl. XLIX, Fig. 1. Die Fa^adenbildung aus je-ner Bauzeit ist an den Umfassungsmauern des Chores (soweitim Grundrisse die dunkle Schraffirung reicht) und auch an denOstmauern des Querschiffes noch erhalten, wiewohl in spätgo-thisclier Zeit durch den Umbau des Chores wesentlich verändertworden. Wie aus BI. L, Fig. 8 hervorgeht, waren Chor- undQuerschiffsmauern durch Eck- und Mittellissenen gegliedert undmit einem doppelten, durchschlungenen Rundbogenfriese nebstmehreren Stromschichten geschmückt worden, so dafs man mitBerücksichtigung der schlanken aber mäfsig hohen Spitzbogenfen-ster eine gesicherte Vorstellung der ganzen Bauausführung ge-winnen kann. Im Allgemeinen war die äufsere Fa<?adengestal-tung der Frontenbildung von Jerichow und Stendal enger ver-

) Danneil, Urkundenbuch S. 88 ff'.

2 ) Aehnliche, in Granit erbaute alterthümliche Anlagen, bestehend aus quadratemChore, oblongem Schiffe und westlichem Rundthurme finden sich in Holstein an ein-zelnen Orten noch wohl erhalten, z. B. in Neuenkirchen und Rattekau bei Plön, beide vor1160 erbaut; noch eigenthümlicher ist der Granitcentralbau von Schlammersdorf, der mitromanischen Anlagen in Dänemark wie Bjernedc (um 1180) verwandt ist.

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