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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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zuferner Zeit dem Schiflsbaue angeschlossen. An diesem Bau-theile erscheint das Werbener Fa <;aden System, welches das Lang-haus konsequent festgehalten hatte, ganz aufgegeben, dagegenein engerer Anschlufs an Choranlagen von Salzwedel erstrebt.Diese Richtung macht sich besonders in der zu Nebenchörenbenutzten Erweiterung der Seitenschiffe, deren zwei Joche je-derseits von einem schmucklosen achteckigen Pfeiler getragenwerden, geltend *); sodann erscheint dieselbe in den flachbo-gigen Blenden der Innenmauern des Hauptchors nicht minderdeutlich ausgeprägt. Die Profile der zwei- und dreitheiligenFenster des Chores sind dagegen wieder den Profilirungen des iiLanghauses genähert, theilweis sogar mit denselben Formsteinenhergestellt. Das östlichste Joch des südlichen Nebenchors istwahrscheinlich als Liebfrauen-Kapelle benutzt und deshalb zwei-geschossig gestaltet worden. Doch ist das obere Geschofs nachdem Haupt- und Nebenchore hin vollständig geöffnet, so dafsder stützende Achteckspfeiler unmittelbar über dem unterenStockwerke emporsteigt und die gesammte Choranlage durchdiesen Einbau nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Mit Rück-sicht auf die oben mitgetheilte inschriftliche Nachricht ist derChorbau später als das Langhaus, von ca. 1470 bis 1480, er- ||richtet worden. Noch später ist die Kapellenanlage vor der jjWestfront in abgeschwächten spätgothischen Formen und mit- |telmäfsiger Technik entstanden. Von der wir-kungslosen, höchst nüchternen Profilirung derFenster giebt der Holzschnitt eine Darstellung, j!Wahrscheinlich ist diese Bauanlage die 1497 !;

zuerst urkundlich genannte Frohnleichnamska-pelle gewesen, deren Lage mit der ähnlicher Kapellen an denPfarrkirchen zu Salzwedel übereinstimmt. '

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Kunstwerke.

Die einstige reiche Ausstattung der Kirche mit Altären etc.wird durch den trefflich geschnitzten und bemalten Flügelaltar,welcher Passionsscenen enthält, sowie durch einige schöne aber traurig verwahrloste Nebenaltäre mit geschnitzten Ileili- 'genstatuen bezeugt. Die spätgothischen aber noch edlen Arclii-tekturformen an diesen Schnitzwerken lehren, dafs keines der- ijselben über das Jahr 1450 hinausreicht.

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Resultat. j

Die vorhandenen Bautheile ordnen sich auf Grund der ana-lytischen Untersuchung folgendermaafsen: !

1) 11701180 die östlichen Vierungspfeiler nebst demTriumphbogen, sowie der Unterbau der Nord- und Süd-kreuzmauer;

2) 12201230 die Westfront mit dem Hauptportale;

3) 14401450 der Langhausbau;

4) 14701480 Chor und Thurmbau;

5) ca. 1495 Frohnleichnamskapelle. ;

II. Kapelle St. Spiritus.

Ueber die Stiftungs- oder Erbauungszeit dieser kleinen ein-schiffigen Bauanlage sind urkundliche Nachrichten nicht vorhan-den. Die ganz in Backsteinen errichtete Kapelle ist halbachteckiggeschlossen, drei Joche lang und mit gedrückten Kreuzgewölbenvon ca. 26 Fufs Spannweite auf Birnenrippen überwölbt. Ob-gleich die gröfste Sparsamkeit in der Verwendung von Kunst-formen ersichtlich ist, erkennt man doch, dafs das Fa^adenprin- jjcip der Pfarrkirche St. Peter und Paul beabsichtigt war, aber jnur theilweis zur Ausführung gekommen ist. Die Strebepfeiler-kanten sind ebenso wie die Spitzbogen der zweitheiligen Fen-ster mit abwechselnd rothen und schwarz glasirten Steinen de-korirt, und die Fenster mit zurückgesetzten Streifen, welche un-zweifelhaft mit Gitterfriesen gefüllt werden sollten, umrahmt. Da

) Vergl. den Grundrifs der St. Katharinen-Kirche zu Salzwedel Bl. XLVIII, Fig. 4.

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auch die Fensterprofile und die Plinthen mit den entsprechen-den Formen der Pfarrkirche genau übereinstimmen, so erkenntman, dafs die Kapelle zur Zeit des Langhausbaues von St. Pe-ter und im engsten Anschlüsse an jene Bauausführung ca. 1460erbaut worden sein mufs.

III. Das Benster Thor.

Dieser einzige Rest der mittelalterlichen Befestigungsanlagebesteht aus dem oblongen Thorthurme, der mittelst zweier brei-ter Spitzbogen im Erdgeschosse dem Durchgangsverkehre dient.Oberhalb sind flachbogige Blenden angeordnet und die beidenGiebel an Stadt- und Feldseite mit steigenden Spitzbogenblen-den und Giebelpfeilern geschmückt. Der einfache aber tüchtigeBau stammt aus dem Anfänge des XV. Jahrh.

F. Die Stadt Arneburg.

Die überaus günstige Lage Arneburgs am hohen Elbuferhat wahrscheinlich unmittelbar nach dem Vordringen des Chri-stenthums und der deutschen Waffen bis an diese äufserste Grenzezur Herstellung einer festen Burg geführt, welche vor der Be-festigung von Tangermünde und Werben als eine Vorburg desErzstifts Magdeburg gegen die slavischen Gebiete dienen mufste.Auf die besondere Bedeutung dieser Burg darf man aus der That-sache schliefsen, dafs Bruno, ein Verwandter Kaiser Ottos II.,schon im J. 977 ein Benediktiner Kloster St. Maria und St. Tho-mas daselbst gründete, welches 983 die päpstliche Bestätigungerlangte. Dennoch konnte sich weder die durch Otto III. be-sonders stark befestigte Burg, noch das klösterliche Stift wäh-rend der schweren Grenzkriege erhalten. Beide gingen 997 beieinem erneuerten Einbrüche der Slaven zu Grunde. Die Burgerstand wieder aus der Verheerung, aber nicht jenes älteste Klo-ster der Altmark. Die militärische Bedeutung Arneburgs führtewährend des XI. Jahrh. mehrere deutsche Könige an diesen ent-legenen Punkt des Reiches und veranlafste eine oft erneute undimmer stärkere Befestigung dieser Grenzburg. Diese Wichtig-keit scheint erst zurückgetreten zu sein, als Albrechts des Bä-ren Eroberungen die Reichsgrenzen bis über Havelberg und Bran-denburg hinaus erweitert hatten. Im J. 1151 wird Arneburgschon zu den älteren Städten der Mark gezählt und als Sitz ei-nes Burggrafen bezeichnet. In noch späteren Zeiten dienten Burgund Stadt mehrmals zur Residenz fürstlicher Wittwen, so erstder Herzogin Anna von Breslau, dann der Markgräfin Ingeburg,Gemahlin Ludwigs des Römers. Während der Regierung Kur-fürst Friedrichs II. aus dem Hause Hohenzollern gehörte Arne-burg zum Antheile des Markgrafen Friedrich des Fetten. Die-ser fromme Fürst errichtete im J. 1459 an der schon seit alterZeit bestehenden Burgkapelle ein Domstift St. Maria und St. Fran-ciscus, welches aber nur bis 1540 bestand.

Nach dem allmähligen Abbruche des überaus grofsartigenund prachtvollen, gröfstentheils in Backsteinen erbauten Schlos-ses im vergangenenen Jahrhunderte besitzt Arneburg jetzt nurnoch die alte Pfarrkirche St. Georg, welche als ein vollständi-ger Granitbau in diese Sammlung nicht aufgenommen werdenkonnte. Die einschiffige, aber alterthümliche, in Kreuzesformmit Balkendecken erbaute Kirche stammt aus der ersten Hälftedes XII. Jahrh. und gehört zu den ältesten Bauwerken der Alt-mark.

6. Die Stadt Salzwedel.

Diese gleich bei ihrem Erscheinen in der Geschichte imJ. 1112 schon alsantiqua urbs bezeichnete Stadt hat währenddes ganzen Mittelalters eine ausgezeichnete und hervorragende